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Full text: Das Heerwesen auf der Weltausstellung 1873 in seinen Beziehungen zu Gewerbe und Industrie (Gruppe I bis XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

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Rudolf Baron Potier des Echelles. 
und das Spinnen die Soldaten felbft beforgen, fo wurde doch auch in neuefter 
Zeit Heu geliefert, welches durch Mafchinen auf den 14. bis 16. Theil des 
urfprünglichen Volumens geprefst ift, und fich befonders für Maffentransporte 
und Depots eignet, fomit im Kriegsfälle eine den Conferven ähnliche Verwendung 
finden wird. 
Der Tabak! Wer kennt nicht diefen Sorgenbrecher und Grillen- 
fcheucher ?! Wer hätte nicht von Blücher’s Pfeifenftummel oder von Schlick’s 
Cigarre gehört, die beide auf die Stimmung der Truppen keinen kleinen Einflufs 
übten. Der Tabak ift fo recht ein Bedürfnifs des Kriegers aller Grade; und 
leichter läfst fich die Nahrung, ja felbft der gewiffe „Schluck“ entbehren, als die 
geliebte Pfeife oder Zigarre. Dafs der Tabak felbft dort ein moralifches Hilfs 
mittel ift, wo fonft gewöhnlich alle Spannkraft des Willens und des Geiftes nach- 
läfst, auf Verbandplätzen und im Spitale, ift wohl Manchem aus eigener Erfahrung 
bekannt. Mit Recht wird daher feitens der Heeresleitungen auf die Requifition 
von Tabak derfelbe Werth gelegt, wie auf jene von Lebensmitteln, und finden 
im Kriege felbft fonft verachtete Sorten noch immer Abnehmer, die eben aus der 
Noth eine Tugend machen. Tabak war nun auf der Weltausftellung überreich, 
aus allen Ländern, fogar von China, Japan und den oftindifchen Infein fowohl in 
Blättern als in Rauchtabak und Cigarren vertreten. Dabei mag bemerkt werden, 
dafs nur jene Staaten, welche entweder Tabak als Haupt-Exportartikel produciren 
oder die Tabakfabrication als Monopol betreiben, wirklich rauchbare Cigarren 
forten Hefern, während die Tabakfreiheit oft Cigarren fabricirt, die von Tabak 
nichts als das fchlechte Deckblatt haben. 
An der Spitze der Tabaktabrikation fteht die Havanna; doch dürften 
deren Erzeugniffe wohl nur in Hauptquartieren fich des verdienten Anwerthes 
erfreuen, während fonft die einheimifchen und die Pfälzer Produdte die meifte 
Verbreitung „nach unten“ finden werden. — Die Cigaretten Rufslands, 
der Türkei, Syriens und Algiers, die gelben, eigenthümlich aromatifchen 
Tabakforten des himmlifchen Reiches der Mitte werden wohl nur feiten 
am Lagerfeuer duften; — defto gröfseren Anwerth aber hatte ftets und wird 
wohl zu allen Zeiten finden : eine wohlgeftopfte Pfeife echt ungarifchen 
Lettingers, an dem die tapfern Schwefterföhne Pannoniens und Auftrias nie 
Mangel leiden mögen, wie denn die öfterreichifche Armee auch die einzige der 
Welt ift, welche fich fchon im Frieden eines billigen Limito - Rauchtabaks 
erfreut, der auch aufserhalb der Reihen der Armee recht anhängliche Verehrer 
findet. 
Und nun endlich die transportablen Röhrenbrunnen, welche in den 
Wüften Abeffyniens, in zahllofen Bivouacs und bei Manövern, ja auch theilwelfe 
im letzten Kriege fich glänzend bewährt, für die Operationen einerArmee in fandig- 
thonigen, auf der Oberfläche wafferarmen Gegenden infofern von ausfchlag- 
gebendem Einfluffe fein können, als die marfchirenden Truppen vor dem furcht- 
barften, dem Waffermangel, gefchützt, fomit operationsfähig erhalten bleiben. 
Diefe Brunnen haben fich rafch Bahn gebrochen, und waren im Prater faft die 
einzigen — fo zu lagen ausfchliefslich pnvilegirten Wafferfpender, welche fomit 
wohl allgemein bekannt fein werden, und übrigens in der ganzen Welt auch fo 
ziemlich gleich bleiben. 
Die Gruppe III: 
Chemikalifche Induftrie, 
bietet in den Ziindft offen verfchiedenfter Art auch für den Militär genügende 
Anregung. Da ift vor allem die altehrwürdige Erfindung des Franziscaners 
Berthold Schwarz, welche, nachdem fie Jahrhunderte lang, in Geftalt und Form 
unverändert, ihre zerftörende Kraft bewährt hat, nun auch dem Zeitgeifte Con- 
ceffionen machen mufste. Dem guten, alten Kornpulver ift nur mehr die Muskete
	        
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