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Full text : Das Heerwesen auf der Weltausstellung 1873 in seinen Beziehungen zu Gewerbe und Industrie (Gruppe I bis XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

Das  Heerwefen

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Impuls  zur  Erfindung  von  Conferven  ;  fo  z.  B.  war  die  Verminderung  des  Viehftandes
  während  des  amerikanischen  Krieges  und  der  dadurch  bedingte  Mangel
an  Milch  die  erde  Veranlagung  zur  Erfindung  der  condenfirten  Milch,  welche
jetzt  auf  allen  Schiffen  im  Gebrauche  ift,  in  allen  Continenten  verbreitet  wird,
und  fich  immer  mehr  in  den  Haushaltungen  einbürgert.
Die  grofsen  Truppenmaffen  der  modernen  Kriege  finden  in  den  occupirten
Ortfchaften  feiten  die  nothwendigen  Nahrungsmittel,  und  felbft  im  günftigften
Falle  ift  es  nicht  immer  möglich,  die  in  den  Gehöften  etwa  vorhandenen  Lebensmittel ­
  zu  fammeln.  Die  fchnelle  Bewegung  der  Armee  hält  nicht  gleichen  Schritt
mit  dem  langfamen  Gange  der  Transportmittel  des  Nachfchubes;  das  Schlachtvieh ­
  wird  durch  lange  Märfche  zum  Skelet  und  liefert  ftatt  Fleifch  nur  Muskeln  ;
—  das  Schlachten  der  Thiere,  das  Kochen  des  oft  noch  zuckenden  Fleifches  hat
eine  unendliche  Reihe  von  Schwierigkeiten  zur  Folge,  welche  durch  den
etwaigen  Ausbruch  einer  Viehfeuche  noch  den  letzten  Anftofs  zu  ernften,  möglicherweife ­
  die  Erfoge  des  Feldzuges  in  Frage  Bellenden  Calamitäten  erhalten.
Diefe  bitteren  Erfahrungen  führten  zu  oft  wiederholten  Verfuchen,  Conferven
zu  erzeugen,  welche  bei  kleinem  Volumen  und  geringem  Gewichte  dem  Soldaten
in  Zeiten  der  Noth  eine  fchmackhafte,  Fleifch  und  Gemüfebeftandtheile  enthaltende ­
  Nahrung  bieten  Diese  Frage  wird  feit  mehr  als  15  Jahren  in  Oefterreich
ftudirt,  und  kam  Büchfenfleifch  fchon  feit  diefer  Zeit  in  den  Forts  Dalmatiens  und
der  venetianifchen  Küfte  zur  Verwendung,  begegnete  aber  immer  einem  unbefiegbar
  fcheinenden  Widerwillen  des  Soldaten,  woran  wohl  das  mangelhafte
Fabricat  die  meifte  Schuld  tragen  mag,  da  gerade  die  in  neuerer  Zeit  in  Cafernen,
auf  Märfchen  und  bei  Manövern,  ja  fogar  auf  der  Weltausftellung  felbft  angeftellten
Koftproben  und  Verfuche  ein  durchaus  günftiges  Refultat  ergeben  haben,  und
die  Soldaten  mit  der  pikanten  Conferve,  namentlich  deren  fclmeller  Zubereitung,
ganz  einverftanden  waren,  und  nur  „etwas  mehr  Wein“  dazu  verlangten.
Welche  Rolle  die  Erbswurft  und  das  Gullyafch  im  letzten  Kriege  fpielten,
wird  wohl  noch  in  ziemlich  lebhafter  Erinnerung  fein.  Dafs  namentlich  erftere
fich  nur  bedingten  Beifalls  erfreute,  liegt  wohl  zum  meiften  in  der  haftigen,  überftürzten
  Maffenzubereitung,  wobei  die  bei  Fabrication  von  Conferven  abfolut
nothwendige  rigorofefte  Reinlichkeit  und  Sorgfamkeit  leicht  hie  und  da  verfäumt
fein  mochte.
Um  diefe  haftige  Produktion  und  deren  Nachtheile  zu  vermeiden,  empfiehlt
es  fich,  fchon  im  Frieden  den  Bedarf  an  Fleifchconferven  zu  erzeugen  und  zu
deponiren,  wobei  die  jährlichen  Ueberfchüffe  bei  den  grofsen  Waffenübungen
verzehrt,  zugleich  eine  Controle  der  Güte  des  Materiales  und  eine  Erfparnifs  bilden.
Was  nun  die  Conferven  für  militärifche  Zwecke  betrifft,  fo  waren  auf  der
Weltausftellung  vorhanden:  In  der  belgifchen  Abtheilung  Liebig  s  Fleifchextrakt,
  welcher  im  deutfch-franzöfifchen  Kriege,  namentlich  in  Spitälern,  eine
bedeutende  Verwendung  gefunden  hatte;  von  Uruguay  Fleifchextrakt  in  Blechdofen
  ;  von  Nordamerika  Fleifchextrakte,  und  Proben  jener  grofsartigen
Schrveinefchlacht-  und  Pökelungsanftalt  in  Cincinnati,  welche  den  Vorgang  bei
der  Verwandlung  von  lebendigen  Grunzthieren  in  faftige  Schinken  in  grofsen,
fehr  anregenden  und  wohl  allgemein  bekannten  Tableaux  zur  Anfchauung
gebracht  hat;  von  England  gemifchte  Fleifch-  und  Gemüfeconferven  für  die
königliche  Marine;  von  der  Schweiz  condenfirte  Milch;  von  Holland
gemifchte  Conferven  für  den  Seedienft;  von  Dänemark  Selchfleifch  in  Blafen;
von  D  eu  tfch  1  and  Fleifch-  und  Gemüfeconferven,  Suppenmehl;  von  Ungarn
Speck  und  Salami,  und  von  Oefterreich  eine  Innsbrucker  Firma  mit  condenfirter
  Milch  (für  Spitäler),  dann  Wagner  &  Comp.,  und  Breden  &  Kurth,  von
denen  die  erftere  hauptfächlich  Gemüfe-  und  Fleifchconferven,  die  andere
Bohnen  und  Erbswürfte  (beide  Produkte  für  den  Armeebedarf  berechnet)
erzeugt,  und  hat  die  erftere  während  des  deutfch-franzöfifchen  Krieges  grofse
Lieferungen  an  die  deutfche  Armee  übernommen  und  zufriedenftellend  durch-
            
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