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Full text : Das Heerwesen auf der Weltausstellung 1873 in seinen Beziehungen zu Gewerbe und Industrie (Gruppe I bis XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

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Rudolf  Baron  Potier  des  Echelles.

laßen  Gefandtfchaftsberichte  und  die  Hofchroniken-Schreiber  des  Sohnes  der
Sonne  vermnthen,  dafs  auch  in  China  ein  Heer  nach  europäifchem  Mutter  zu
bilden  verfucht  wird,  wie  überhaupt  (nur  nebenbei  bemerkt)  die  Betheiligung
China’s  an  der  Weltausttellung  die  betreff  diefes  Landes  gehegten  Meinungen
gründlich  berichtigt  hat.
Auch  die  Gruppe  VI:
Leder-  und  Kautfchukinduftrie,
ift  für  die  Erzeugung  und  Lieferung  der  Heeresbeöürfniffe  in  hohem  Grade  in
Anfpruch  genommen  und  verbraucht  z.  B.  O  efterreich  allein  jährlich
11.980  Centn  erLeder  und  24.500  S  tück  Fell  e  der  verfchi  edenften
Gattungen  ausfchliefslich  für  Armeezwecke,  und  wären  in  diefe
Gruppe  alle  aus  Leder  erzeugten  Ausrüftungsgegenftände  für  Mann  und  Pferd,
für  die  zahlreichen  Trains  und  Anftalten  u.  f.  w.  zu  rangiren.
Auf  der  Ausftellung  waren  die  Lederproduette  meift  im  unverarbeiteten
Zuftande  vertreten,  und  mufsten  militärifche  Fufsbekleidungen  und  fonftiges
Riemenwerk,  Sättel  und  Pferdgefchirre  in  verfchiedenen  Gruppen  aufgefucht
werden.  —  Die  Fufsbekleidungen  betreffend,  bricht  fich  faft  in  allen
Armeen  der  Halbftiefel  Bahn,  welcher,  aus  Rindsleder  gefertigt,  nur  in  der  Art
der  Erzeugung  differirt.  Die  Schnürfchuhe,  eine  Reminiscenz  an  die  ehedem
üblichen  Sandalen,  dürften,  gleich  dem  leichten  franzöfifchen  Schuh  bald  auf  den
Ausfterbe-Etat  gefetzt  fein.  Rufsland  darf  fich  den  Luxus  der  Juchtenftiefel,
Schweden  jenen  grofser  Pappenheimer  geftatten,  und  die  Truppen  des  O  ft  e  n  s
tragen  die  lederne  Fufsbekleidung  nur  zur  grofsen  Parade  und  in  Städten,  find
alfo  von  der  vitalen  Frage  der  beften  Armee  Fufsbekleidung  am  wenigften  alterir.
Das  übrige  R  i  e  m  e  n  w  e  r  k  ift  fo  ziemlich  überall  gleich.  Die  öfterreichifche
und  deutfehe  Armee  brauchen  zu  ihrem  weifsen  Riemenzeug  viel  Sämifchleder,
während  in  den  anderen  Staaten  gröfstentheils  fchwarzes,  geglänztes  Riemenwerk ­
  verwendet  wird.  —Zu  Torniftern  werden  mit  Vorliebe  Kalbfelle  genommen,
und  trotz  vielfältiger  Verfuche,  diefes  fo  nothwendige  Requifit  aus  Wachstuch,
wafferdichter  Segelleinwand  und  anderen  Stoffen  zu  erzeugen,  ift  man  immer
wieder  zum  alten  Material  zurückgekehrt.
Die  Sättel  und  Pferdegefchirre  find,  fo  weit  fie  die  Lederinduftrie
betreffen,  fo  ziemlich  in  allen  Ländern  gleich.  Eine  Ausnahme  machen  die  oft
prachtvoll  ausgefchmückten  Sättel  des  Orientes  mit  ihren  hohen  Rückenlehnen,
und  die  ungemein  fchweren,  mit  Metallverzierung  überladenen  brafilianifchen
  Sättel,  an  welchen  der  lederne  Laffo  befeftigt  ift,  der  auch  in  den  Kämpfen
des  letzten  paraguaytifchen  Krieges  eine  ziemlich  bedeutende  Rolle  gefpielt
hat.  Im  Allgemeinen  dominirt  das  fchwarze  Blankleder  für  Gefchirre,  das
gebeizte  R  o  h  1  e  d  e  r  für  Sättel.  Letzteres  ift  im  deutfehe  n  Reich  auch  für
die  Befchirrung  eingeführt,  während  die  öfterreichifche  Armee  und  Landwehr ­
  dasfelbe  für  die  Patrontafchen  und  das  Riemzeug  der  Rüftung  verwenden. ­
  In  die  Geheimniffe  der  Conftru(ttion  der  verfchiedenen  Gefchirre  und
Kummete  kann  natürlich  nicht  eingegangen  werden,  genug  dafs  Leder  dabei
die  Hauptrolle  fpielt,  und  fo  der  Contacft  der  Lederinduftrie  mit  dem  Heerwefen
auch  hier  nachgewiefen  ift.
Der  Kautfchuk,  feit  langem  fchon  in  Spitälern  vielfach  benützt,  kam  in
gröfseren  Quantitäten  erft  mit  Einführung  der  Kautfchukkapuzen  -in  direttte  Verwendung ­
  bei  der  Truppe.  Sonft  bildet  derfelbe  ein  eminentes  teehnifches  Hilfsmitiel,
  welches  in  den  mannigfachften  Formen  überall  mit  gröfstem  Vortheil,
namentlich  aber  zu  Kabel  und  Ifolatoren  benützt  wird.  Die  Schweden  verwenden
Kautfchuk  bei  ihrer  Feldartillerie,  indem  die  auf  den  Achfen  der  Lafetten  angebrachten ­
  Sitze  auf  Puffern  ruhen,  welche  aus  drei  Kautfchukfcheiben  und
dazwifchenliegenden  Eifenplatten  beftehen.
            
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