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Full text: Das Heerwesen auf der Weltausstellung 1873 in seinen Beziehungen zu Gewerbe und Industrie (Gruppe I bis XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

Das Heerwefen. 
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Die Gruppe VII: 
Metallinduftrie 
ift diejenige, welche für das Heerwefen am ftärkften in Anfpruch genommen id, 
denn fie liefert nicht nur alle Metallbeftandtheile überhaupt, fondern fad ausfchliefs- 
lich die ganze Bewaffnung. Es bietet fich hier eine fad erdrückende Ueberfülle des 
Intereffanten und Wichtigen, und würde deffen auch nur oberflächliche Würdigung 
den eng gefpannten Rahmen weit überfchreiten. Angefichts diefer wahrhaften 
„embarras de richesses“ mufs fich auf eine allgemeine Rundfchau befchränkt 
werden, welche zunächd den Handwaffen gewidmet fei. 
Diefes Genre war in allen Ländern reich vertreten. Hier als Trophäe zur 
Ausfchmückung dort als Meiderwerke der Waffentechnik! Von der mit zierlichem 
Badgeflecht kündlich an dem Stiel aus Eifenholz befedigten deinernen Streitaxt 
des Cannibalenhäuptlings bis zum Ehrendamascener; vom Kris des Malayen, 
dem Yatagan des Orientalen bis zur weltberühmten Toledoklinge waren alle 
Gattungen Handwaffen vertreten, und boten fie in ihrer Mehrzahl hochintereffante 
Objecde zu cultur-hidorifchen Studien. Was id gegen die niederfchmetternde 
Wirkung der heutigen Waffen die ausgedellte Schutzwehr der Indier, Perfer und 
anderer Völker!? Reminiscenzen an vergangene — für de wohl fchönere Zeiten; 
Spielerei zur heiteren Zier geworden! Neben der als Schild verwendeten Schale 
der Riefen-Schildkröte fah man kundvoll cifelirte Metallfchilde und Brudharnifche 
(bei Ifidor Braun’s Söhne zu Schöndorf in Oberöderreich) mit den Mahlen der 
bedandenen Kugelproben, Helme mit Nackenfchutz aus Panzerringen, äufserd 
kundvolle Panzerhemden, Bogen, Pfeile und die mannigfachden Gattungen von 
Lanzen, an denen namentlich der Orient reich war. 
Heute gilt es weniger Schutz zu bieten als vielmehr Trutz, und ging die 
Vervollkommnung der Hand* mit jener der Feuerwaffen in ziemlich gleichem 
Tempo. Vor Allem waren die Ausdellungen der Innerberger Gewerke und 
der öderreichifchen Waffenfabriks-Gefellfchaft hervorragend, 
welche eine äufserd reiche Colletdion der in der Armee üblichen Säbel, Bajonette, 
Fafchinmeffer u. f. w. boten, und durch die Vorzüglichkeit der Fabricate allgemeine 
Anerkennung fanden, welche auch der Wiener Firma „Thill’s Neffe u für die 
in kaltem Zudande gefchnittenen Säbelkörbe zu Theil wurde. In Deutfchland 
brillirte neben anderen gröfseren Firmen das weltberühmte Solingen mit Klingen 
aller Art, unter welchen fich namentlich die mattgebeizten bemerkbar machten. 
Rufsland zeigte vorzügliche Armeewaffen, darunter als befonderes Kundwerk 
eine Stahlklinge mit eingelegter Perleninfchrift. Schweden hatte Klingen aus 
Uchatiusdahl mit doppeltem Hohlfchliff und Rinnen längs des Rückens, dann ein 
Dolchbajonett und ein auf einer Spirale auffitzendes Schulbajonett zum Fecht 
unterrichte ausgedellt, während fich Belgien und Italien durch fehr fchöne 
Stahlklingen in vorzüglicher Montirung auszeichneten; namentlich letzteres 
brachte eine durchbrochen gearbeitete Säbelklinge, welche wohl nur als Probe 
für die Güte des Stahles dienen füllte. — Amerika, auch in der Waffentechnik 
auf der Höhe der Zeit dehend, brachte mehrere vorzügliche Klingen, darunter 
folche, die, am Rücken fägenartig gezähnt, eind in der öderreichifchen Armee 
eingeführt waren, nun aber längd aufser Gebrauch gefetzt find, dann eine Specia- 
litüt in Gedalt eines Spatenbajonetts, deffen Stahlfcheide eventuell als Schaft 
für einen am unteren Ende anzufchraubenden dählernen Schaufeltheil verwendet 
werden kann. Spanien hatte nebd Armeefäbel feine famofen Toledoklingen 
fowohl vollendet, als auch in den verfchiedenen Stadien ihrer Erzeugung exponirt. 
Dann war die Riidung Don Juan d’Audria’s, des berühmten Seehelden von 
Lepanto, und der Helm Boadbil’s, des letzten Königs von Granada ausgedellt, 
der nebd den Reden der eind fo mächtigen Mauren im felben Jahre vernichtet 
wurde, in welchem Chridoph Columbus eine neue Welt entdeckte.
	        
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