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Full text: Das Heerwesen auf der Weltausstellung 1873 in seinen Beziehungen zu Gewerbe und Industrie (Gruppe I bis XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

Das Heerwefen. 
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Oe fl er reich hatte nur einen geringen Theil feiner überreichen Kunft - 
fchätze zur Weltausftellung gefendet, und fand „Herzog Leopold des Glorreichen 
Heimkehr vom Kreuzzuge“, die grofse „Türkenfchlacht von Wien 1683“, dann die 
Darflellung der Schlachten von Kollin, Würzburg und Neerwinden allgemeinfte 
Würdigung. Die grofsen Schlachtbilder, welche die Ruhmeshalle des Arfenales 
fchmücken und auf der Weltausftellung in Skizzen zu den Gemälden der Schlachten 
von Hochkirch, Caldiero, Piacenza und Afpern vorhanden waren, 
fowie die Darftellungen der Attaque von „Trani-Uhlanen“, der „Erftürmung des 
Belvederes“ (beide Epifoden aus der Schlacht von Cuftozza), dann des Reiter - 
gefechtes von Langenbruck; vor Allem aber jene des S e e - S i e g e s bei Liffa, 
zeigten aller Welt den Ruhm ererbter, allzeit erprobter öfterreichifcher Tapferkeit, 
welche im Vereine mit opferwilliger, unerfchütterlicher Treue und Hingebung fo 
oft zu antiker Heldenkühnheit fich emporfchwang. 
Die Ruhm e sh all e im Arfenale, die Monumente in der Refidenz, in 
den grofsen Städten des Reiches und an der Heerftrafse. verkünden die Thaten des 
ruhmgekrönten Feldherrn wie des Fuhrwefen-Soldaten. und ehren das Andenken 
jener, die für das Vaterland auf dem Felde der Ehre geblieben find. Die Denk 
mäler auf den fchneeigen Höhen der Alpen, in den fandigen Niederungen derFlüffe, 
an den fonnenumgoldeten, palmengefchmückten Küflen des Mittelmeeres, wie am 
fernen, wogenumbrauften Strande des Kattegat und der Nordfee, werden unferen 
fpäteften Enkeln erzählen* dafs Oefterreichs Söhne, überall und immer, ehrenvoll, 
tapfer und treu ihre Pflicht erfüllten. 
Monumente und Gemälde, als direöte Schöpfungen der bildenden 
Kunft, find von mächtiger allgemeiner Wirkung auf den Geift einer ganzen Nation, 
während jene in zahlreichen Exemplaren verbreiteten graphifchen Darftel 
lungen einzelner Epifoden (doch auch Töchter der Kunft), Wort und Schrift 
ergänzend, unmittelbar auf Aug und Sinn, daher auch auf Verftand und Gemüth 
wirkend, auf den Geift und die Stimmung des Volkes wie des Heeres einen höchfl 
bedeutenden Einflufs ausüben, deffen Stärke mit der allgemeinen Bildung im Ver 
hältniffe fleht. 
Welche Fortfehritte die letztere feit Kurzem gemacht hat, wie gerade fie 
fo recht berufen ift, unbedingte Pflichttreue und Vaterlandsliebe zum unbeflrittenen 
Gemeingute Aller zu machen, und die Confequenzen der allgemeinen Wehr 
pflicht im beften Sinne zu entwickeln, zeigte auf der Weltausftellung die 
Gruppe XXVI: 
Erziehungs- und Unterrichtswefen. 
Der Grundfatz: „Wiffen ift Macht!“ hat fich bereits überall Geltung 
erworben, und darf es gewifs ein erfreulicher Fortfehritt genannt werden, dafs 
fämmtliche Länder bemüht waren, diefe Macht fo reich und fo gediegen als 
möglich der Welt zu zeigen. Wenn auf früheren Weltausftellungen die materielle 
Stärke forgfältig zur Schau geftellt, und mit einem gewiffen Selbftgefühl gezeigt 
wurde: „das können wir“, fo hat die Wiener Weltausftellung den Wettkampf 
der geiftigen Kraft in die Schranken gerufen, und auch die Devife: „das 
wiffen wir“ zu Ehren gebracht. 
Wer die U n t e r r i c h t s - A us ft e 11 u n g e n Frankreichs, Deutfch- 
lands und Oefterreichs eingehender betrachtet und verglichen hat, wird 
namentlich viel Anregung und Belehrung gewonnen haben. 
So intereffant und verlockend es auch wäre, bei den erwähnten Lehrmittel- 
Ausftellungen zu verweilen, fo ift es doch die Volksfchule, welche als Bafis 
der allgemeinen Bildung in erfter Linie die Aufmerkfamkeit in Anfpruch nimmt. 
Die Schweiz hatte Produtfte der Volksfchule, Portugal, Amerika, 
Schweden und Oefterreich dagegen vollftändig eingerichtete Mufter-Schul- 
häufer der Befichtigung und der Beurtheilung geöffnet. Das portugiefifche
	        
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