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Rudolf Baron Potier des Echelles.
Schulhaus liefs im Allgemeinen kalt; es machte den Eindruck des Zufammen-
getragenen, des Erkünftelten, und ftatiftifche Daten über den Percentfatz der des
Lefens und Schreibens Kundigen beftätigen diefe Meinung. Uebrigens ift vielleicht
das ausgeftellt gewefene Schulhaus das Samenkorn, aus dem auch einft in Portugal
die fegenfpendende Geiftesfaat zu reicher Frucht gedeiht, in welchem Sinne dann
das befcheidene Schulhaus immerhin providentiellen Werth befafs.
Amerika trat entfchieden auf! Hier war bereits Vorhandenes, Ausgebil
detes. Das klare Bewufstfein desWollens, der praktifche Sinn, diejugend fchon fin
den Ernft und die Härten des Lebens vorzubereiten und zuftählen; die Ausprägun <r
eines ftark ausgeprägten Selbftgefühles und Nationalftolzes, als Refultat lebhaft
empfundener Vaterlandsliebe, trat in fcharfen Zügen kräftig zu Tage — und auch
die innere Einrichtung entfprach den „künftigen Bürgern der Vereinigten Staaten“.
Das fchwedifche Schulhaus konnte in allen,Einzelnheiten als das Ideal
einer Volksfchule gelten, obgleich Manches zu viel erfchien. Auf die Entwicklung
eines fehr regen Patriotismus legt die fchwedifche Volksfchule entfchieden hohen
Werth, und indem das Kind die Heimat und deren Gefchichte kennen lernt,
lernt es auch fie lieben, und nur der mag fich einen „Weltbürger“ nennen, der
erft ein treuer Bürger feines Vaterlandes ift.
Das ö ft e r r e ich i fc he Schulhaus hat, weil es eben wahr und wirklich ift,
weil es in Praxis fein kann, was es fein will, vom Augenblicke feiner Eröffnung
an entfchiedenften Beifall und Zuftimmung gefunden, die fich am klarften durch
den Umftand manifeftirte, dafs aus vielen Kronländern, ja felbft aus Sachfen und
Franken Pläne und Entwürfe verlangt und meift zur Ausführung acceptirt wurden.
Doch wurde vielfach die Frage aufgeworfen: ob es wohl möglich fein werde,
diefer Volksfchule überall in Oefterreich Geltung zu verfchaffen. In einem
Lande, welches, wie Oefterreich, binnen wenig Wochen aus Privatmitteln
275.000 fl. zu rein wiffenfchaftlichen Zwecken gab (Polar-Expedition), in welchem
von anonymen Perfonen binnen 10 Tagen 25.000 fl. zur Erbauung diefer Schule
einliefen, deffen Wohlthätigkeitsfmn in allen Landen bekannt ift: darf diefe Frage
entfchieden bejaht werden, darf die Schule das Befte erwarten.
Und diefe wieder, in ihren Folgen das ficherfte Capital bildend, welches
wir unferen Erben hinterlaffen können, lohnt mit reichften Zinfen; denn nur die
Schule ift es, von welcher die vollkommene Regeneration ausgehen kann, nur
die Schule vermag ein von hingebendfter Liebe zu Kaifer und Reich durch
drungenes Volk heranzubilden. Die Sinnfprüche, welche im öfterreichifchen Schul
haufe die Halle, das Zimmer, den Turnfaal fchmücken, fte prägen dem Kinde
fchon die Liebe zum Vaterlande ein, deffen Vertheidigung die heiligfte Pflicht des
Mannes ift, und deren ganze Bedeutung dem Soldaten um fo klarer und
bewufster fein wird, je ftärker fchon in der Schule die Tugenden des Gehorfams
und der Pflichttreue entwickelt wurden.
Der Krieg von heute ift im vollften Sinne des Wortes ein Krieg des Volkes
gegen fremdes Volk. Was aber folgt daraus? Die in Bewegung gefetzten Maffen
bleiben eben Maffen, ein Spiel der Zufälle, wenn fie nicht durch einen auf
opfernden Geift verbunden, wirklich fähig find, den Krieg zu führen. Die tofenden
Wogen erregter Maffen zerftieben in Atome an dem Felfen eines durch ernften
Willen der Aufopferung für das Vaterland geeigneten und begeifterten Volkes. Nicht
um die Maffe der zu Gebote flehenden Streitkrafte handelt es fleh — nicht um den
Körper, fonderu um den Geift, der ihn befeelt, ihn zur That erft fähig macht.
Die Schule für das ganze Volk, für alle Stände, fomit auch für das Heer
von entfeheidendftem Einfluffe, gibt dem Ganzen die Weihe des Geiftes.
Sie ift das Fundament eines jeden geordneten Staatswefens; in ihr liegt für alle
Zukunft die Bürgfchaft eines mächtigen, reichen und vor Allem eines g 1 ü c k-
liehen Oefterreichs.