Buchdruck.
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denjenigen, auf welchen gedruckt wurde, war, dafs fie fich mehr oder weniger
durch Schmutz und Unreinlichkeit auszeichneten und dafs das darauf Gedruckte
auch wenig empfehlenswerth war.
Die eine, die wir fchon im Jahre 1872 in London bewunderten, und auf
welcher damals ein Profpect von „London: a Pilgrimage“, Grofsquart. im Aus-
mafse von 9 i/ 2 auf 12 Wiener Zollen, mit 2 Holzfchnitten von Dore, prachtvoll
gedruckt wurde, war in Wien in einem kleineren Formate vertreten. Es ift diefs
die Univerfal-Druckmafchine von Coddington & Kingsley in London. Trotz
der daran gemachten Verbefferungen zeigte fich diefelbe in Wien jedoch wenig
einladend, da fie und der darauf druckende Arbeiter beinahe im Schmutz
erllickt find.
Gehen wir jetzt zu den gröfseren der gewöhnlichen Druckmafchinen übei.
Aufser der von G. Sigl in Wi en gebauten und im Pavillon der „Neuen
Freien Preffe“ aufgeftellten „Becker Reifser-Mafchine“ hat O efterreich nur zwei
Buchdruck-Schnellpreffen ausgeftellt.
Die von Ludwig Kaifer in Wien ausgeftellte Mafchine ift das.geiade
Gegentheil von der von J. Anger in Wien ausgeftellten; und wenn wir der letz
teren einige Worte widmen, fo gefchieht diefs nur, um unfer Bedauern über ein
Werk auszufprechen, das durch fchlechten Gufs und fchlechtes Machwerk die
heimifche Mafchineninduftrie vor aller Welt geradezu verdunkeln mufste.
Wenn in einem Falle, können wir uns in diefem dem Urtheile der Jury
nicht accommodiren. Waren fchon Gründe für die an letztgenannten Ausftellei
erfolgte Preiszuerkennung vorhanden, fo hätte, unferem Dafürhalten nach, diefe
von der Verleihung einer höheren Auszeichnung an Ludwig Kaifer begleitet
fein follen.
Die Kaifer’fchen Mafchinen befitzen einen folch’ guten Ruf, dafs wir über
das ausgeftellte Exemplar zu feiner Empfehlung eigentlich nichts weiter zu fagen
brauchten; da aber Herr Kaifer mehrere wefentliche Verbefferungen daran ange
bracht, fo müffen wir diefe befonders hervorheben. Das Farbzeug ift derait ein
gerichtet, dafs man durch das verfchiedene Stellen desfelben bei jedem Bogen,
bei jedem zweiten und jedem vierten Bogen Farbe geben kann und dafs das-
felbe flehen bleibt, wenn die Mafchine rückwärts gedreht wird.
Wer da weifs, welche Unzukömmlichkeiten entliehen, wenn durch das
Rückwärtsdrehen der Mafchine durch den Ductorcylinder das ganze Farbzeug
eine veränderte Stellung erhält, die Farbe felbft über den Ductorcylindei auf die
Form tropft, der wird diefe Verbefferung zu würdigen wiffen. Nimmt man aber
noch an, dafs diefe Mafchine, ftatt Eifenbahn- oder die complicirte Kreisbewegung
zu haben, auf Schienen läuft, was befonders bei vorhandenem Dampfbetrieb vor-
theilhaft ift: fo wird man diefe neueften Verbefferungen und Erfindungen Kaifei s
willkommen heifsen.
D eutfchland war durch fünf Firmen vertreten.
Die Herren König & Bauer in Oberzell bei Würzburg hatten eine
Zweifarben - Mafchine, eine Doppel-Tiegeldruckmafchine, eine Doppel - Schön-
druckmafchine für Zeitungen und eine lithographifche Schnellpreffe ausgeftellt.
Wenn wir fagen, dafs diefe Firma, deren Vorgänger die Erfinder dei
Schnellpreffen find, diefes Jalir ihre zweitaufendfte Mafchine vollendet hat, fo
hätten wir zu ihrem Lobe eigentlich nichts mehr weiter hinzuzufügen. Ihre Ver
befferungen an der Doppel-Tiegeldruckmafchine fordern jedoch, dafs wir ihr
unfere befondere Anerkennung ausfprechen. Ihre Schöndruck-Zeitungs-Doppel-
mafchine mit nur einem Druckcylinder, Schneidwerk und Bogenausleger ift für
Zeitungen mit nicht grofser Auflage fehr verwendbar. Das Syftem ift zwar nicht
neu, denn es ift fchon in ihren vierfachen Mafchinen enthalten und wurde, wenn
wir nicht irren, zuerft von Herrn Bragard, dem Obermafchinenmeiftei dei
Kölnifchen Zeitung, befürwortet. Sie druckt 3500 Bogen einfeitig in der Stunde.