Buchdruck.
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in den deutfchen Annexen beinahe auf jedem ausgeftellten Gegenftande gleich
viel ob Rohprodukt oder fertige Waare, ob aus Papier, Holz oder Elfen beftehend,
ein grofsge drucktet Zettel, der vor der Berührung der Objede warnte.
Die Frage: ob durch diefen Vorgang das Intereffe der deutfchen Ausftellei
gewahrt wurde, indem man das Publicum verhindert ., f.ch von der Gute der aus
geftellten Gegenftände zu überzeugen, überlaffen wir der deutfchen Ausftellungs-
Commiffion zu beantworten.
Warum fo viele geachtete Druckfirmen Deutfchlands auf dei Weltaus-
ftellung fehlten, ift uns ein Räthfel. In den Schaufenftern beinahe jeder grofseren
Wiener Sortimentsbuchhandlung kann man mehr deutfche Firmen finden, als au
der Weltausftellung vertreten waren, und unter dem in diefen Schaufenftern Aus
geftellten befindet fich fo Manches, das im Prater auch an feinem I latze
eewefen wäre. „ .. , , • *
In der deutfchen Abteilung vetdiert vor Allem die „C olle ctiv-A -
ftellung der wür 11 e mb e r gif c h en Buchhändler, Xylographen e c.
in Stuttgart unfere Aufmerkfamkeit. Die J. G. C o 11 a'fche Buchhandlung hatte
nur Meifterhaftes ausgeftellt, da fie etwas Anderes auch nicht ausftellen konnte.
Denn Alles, was aus ihrer Buchdruckerei hervorgeht, ift ftyl- und kunftgeiecht,
weil von A bis Z an Nichts gefpart wird, um Alles fo vollendet als möglich ier-
zuftellen. Ihre Prachtausgaben fowohl wie ihre Cabinets- und Miniatur-Ausgaben
der deutfchen Claffiker find zu bekannt, als dafs wir fie näher befchreiben durften.
Der Druck und der Verlag, fowie die xylographifche Anftalt von Eduaid Ha
berzer find ebenfalls rühmlich!! bekannt, fo dafs man auch darüber nur wenig zu
fagen braucht. Sein „Ueber Land und Meer“ und die anderen gut gedruckten
illuftrirten Lieferungswerke find beinahe in jeder Hütte zu treffen. Seine Doie fc
Bibel verdiente prachtvoll genannt zu werden, denn die Holzfchnitte auf fein ein
Papier find mufterhaft gedruckt und ftehen den franzöfifchen nicht nach; auch
der Druck des Textes liefse nichts zu wünfchen übrig, wenn er nicht etwas zu
fcharf gehalten wäre, ihm fehlt die letzte Feile (auf die bei Cotta fo viel Gewic
gelegt wird), nämlich das Glätten in der Packpreffe. Wenn man die prachtvollen
Dore’fchen Holzfchnitte mit Vergnügen betrachtet und dann den Blick aut en
Text richtet, fo erhält das Auge einen ordentlichen Stich durch die ftark voi-
tretende Schattirung. . , , j .r-v,,.
Wir haben leider die Bemerkung gemacht, dafs fo manches deutle
Prachtwerk fich viel beffer darftellen würde, wenn nicht an Geringfügigem geipmt
werden möchte. Bei dem einen könnte das Papier und die Druckerfchwarze beffei
fein, beim zweiten wurden Lettern oder Linien verwendet die nicht mehr ganz
fcharf waren, und das Dritte, das Alles hat, was dazu gehört, ift wtedei nicht
geglättet u. f. f. In diefer Hinficht müffen wir uns die Franzofen und Engländer
zum Mu ^ 1 r lb n e e i h “ r e "- xylographifclie An ft a lt lieferte ein Album von Holzfchnitten,
deren Feinheit nichts zu wünfchen übrig lieft. Eine Stereotypplatte aus Ueber
Land und Meer“ war fcharf und tief. Eine grofse galvamfche Platte wai
fchön, hatte jedoch einen Sprung. . war mit
„Aus deutfchen Bergen“, Verlag von A. Krön er in Stuttgar war.mit
fchönen Holzfchnitten illuftrirt, der Druck derfelben war jedoch nicht fa fchon.
Die Werke in ruffifcher und orientalifcher Sprache von Carl G r u n i n j5 e r in S t u 11
„art waren zwar gut gedruckt, doch theilweife mit altmodifchen Typen
° T B Met/ler’s illuftrirte und mathematifche Werke waren gut gefetzt
und gedruckt, die Illuftrationen, wie bei A. Krönet, von Clofs, liefsen an
Feinheit der Ausführung nichts zu wünfchen übrig. ^
Der Gefammteindruck der Stuttgarter Ausftellung , , - t
Herz eines Jüngers Gutt.enberg’s gemacht und wird wohl Jedei Gelegenh
gefucht haben, diefe Expofition mehrmals befichtigen zu können.