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Full text : Buchdruck (Gruppe XII, Section 1), officieller Ausstellungs-Bericht

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Ludwig  Lott

Zwar  fo  lange  die  k.  k.  Finanzminifter  Philipp  Freiherr  v.  Krauts
und  Carl  Freiherr  v.  Bruck  oberfte  Chefs  der  Staatsdruckerei  waren,
fand  Auer  für  feine  Anträge  williges  und  fchnelles  Gehör,  und  erreichte  die
Anftalt  unter  Bruck  die  Höhe  ihres  Glanzes  trotz  aller  feindlichen  Gegenftrömungen.
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Nach  dem  Tode  Bruck’s  aber,  bei  dem  Eintritte  neuer  Finanzminifter
und  bei  der  bekannten  Sparfamkeit  unferes  hohen  Abgeordnetenhaufes,  wurde
die  Staatsdruckerei  von  ihrem  Wege  zur  Förderung  der  Künfte  und  Wiffenfchaften
abgedrängt,  und  fo  zu  fagen  zur  ausfchliefslichen  Lohnarbeit  herabgedrtickt.  Die
Ki  äfte,  die  zum  Entweifen  und  zur  Ausführung  von  Kunftobjedlen  herangebildet
oder  herangezogen  waren,  deren  Nutzen  fich  aber  nicht  ziffermäfsig  nachweifen
iiefs,  mufsten  verabfchiedet  werden.  Die  Staatsdruckerei,  wenn  fie  nicht  einen
fo  grofsartigen  Reichthum  an  Stempeln,  Matrizen,'Lettern,  Platten  u.  f.  w,  aus
fiüheren  Zeiten  befafse,  wäre  fchon  lange  von  dem  ehrenvollen  Standpunkte
herabgefunken,  den  fie  auch  noch  heute  einnimmt.
In  welch  unerquickliche  Lage  die  Staatsdruckerei  durch  den  Abgang  von
Peifönlichkeiten,  denen  künftlerifche  Entwürfe  au  vertraut  werden  können,
manchmal  verletzt  wird,  wenn  fie  plötzlich  eine  Vorlage  für  ein  neues  Creditpapier
  oder  dergleichen  liefern  foll,  davon  haben  Diejenigen  oft  nicht  die  geringfte
Ahnung,  welche  die  Erzeugniffe  der  Staatsdruckerei  vom  künftlerifchen  Standpunkte
aus  wegwerfend  beurtheilen.  Hätte  die  Staatsdruckerei  für  die  Anfertigung  folcher
Entwürfe  nur  über  einige  tüchtige  Kräfte  zu  verfügen,  die  einestheils  Vorlagen
vorarbeiteten  und  anderntheils  jüngeren  Nachftrebenden  als  Lehrer  dienten  dann
beftünde  das  Verlangen  vollkommen«  zu  Recht,  dafs  die  in  der  Staatsdruckerei
angefertigten  Creditpapiere  und  andere  Kunftfachen  den  Stempel  einer  gröfseren
künftlerifchen  Vollendung  an  fich  trügen.
Wie  ift  aber  eine  künftlerifch  tadellofe  Ausftattung  möglich,  wenn  z.  B
das  hohe  Abgeordnetenhaus  heute  befchliefst,  dafs  die  ältere  Staatsfchuld
in  neue  Obligationen  convertirt,  oder  dafs  Appoints  von  Ein,  Fünf  und  Fünfzig
Gulden  Staatsnoten  emittirt  werden,  und  der  Herr  Finanzminifter  verlangt,  dafs
die  Staatsdruckerei  auch  fchon  morgen  dem  Befchluffe  des  Abgeordneten
haufes  entfprechende  Vorlagen  mache  und  übermorgen  für  fo  und  fo  viele
Millionen  Gulden  Papiere  abliefere,  weil  er  das  Geld  nothwendig  bedarf  und
mit  Ungeduld  den  Befchlufs  des  hohen  Haufes  erwartet  hat?
Wie  im  Sprichworte:  „Spare  in  der  Zeit,  fo  haft  du  in  derNoth!“  —
gilt  hier:  „Zeichnet  in  der  Zeit,  fo  habt  ihr  Entwürfe  in  der  Noth!“
Einem  Reitei  wird  es  nie  gelingen,  fein  Pferd  zum  Vorwärtsfehreiten  zu
bringen,  wenn  er  ihm  auch  die  Schenkel  noch  fo  ftark  anlegt  und  zugleich  die
Zügel  ftrafi  anzieht:  erft  dann,  wenn  er  dem  Pferde  in  den  Zügeln  Luft  läfst
und  ihm  die  Schenkel  anlegt,  das  heifst,  wenn  er  dem  Pferde  die  nöthigen
Hilfen  gibt,  dann  wird  es  auch  feine  Schuldigkeit  thun.
Leget  der  Staatsdruckerei  die  Schenkel  der  Sparfamkeit  an,  laffet  ihr  aber
auch  in  den  Zügeln  etwas  mehr  Luft,  das  heifst,  gebt  der  Direktion  derfelben
mehr  Selbftftändigkeit,  dafs  fie  durch  langweilige  und  oft  ohne  das  minderte
Verftändnifs  handelnde  bureaukratifche  Bevormundung  nicht  zurückgehalten
wird,  macht  allenfalls  die  Direktion  für  ihr  Gebaren  verantwortlich;  laffet  die
angefangenen  und  zum  grofseu  Theile  weit  vorgefchrittenen  wiffenfchaftlichen
Verlagswerke,  zu  denen  die  Platten  fchon  feit  Jahren  fix  und  fertig  daliegen,
und  zu  deren  gänzlichen  Vollendung  keine  weiteren  Auslagen  nothwendig
find  als  für  das  Papier  und  die  Drucklöhne,  fertig  ftellen  und  nicht  veralten;  Iaffe“
fie  den  reichen  und  reichhaltigen  Verlag  buchhändlerifch  organifiren,  damit
die  Sortimentsbuchhändler  für  deren  Vertrieb  etwas  thun  können,  und  das
Inftitut  wird  nicht  allein  auf  eigenen  Füfsen  ftehen  können,  fondern  Früchte
            
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