Buchdruck.
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tragen, die den Wiffenfchaften und den Künften zugute kommen, t ohne dafs der
Staat gröfsere Opfer zu bringen hat.
Die Staatsdruckerei wird dann ihrem Zwecke entfprechen, das heifst, üe
wird, unterflützt durch reichhaltiges Inventar und durch die ihr noch immer zu
Gebote flehenden Kräfte, Unternehmungen fördern können, von denen der Nutzen
zwar nicht immer gleich auf der Hand liegt, die aber für den Staat und deifen
Bewohner von unendlichem Vortheile fein können und die auszuführen den
Privaten nicht leicht möglich find.
Kreuziget fie aber auch nicht, wenn ein neu auftauchendes Problem nicht
den gehegten Erwartungen entfprechend gelöft wird. Nur fo kann die Staats
druckerei wieder werden, was üe einft war: die Mufleranftalt für die graphifchen
Kiinfte nicht nur in Oefterreich, fondern in der ganzen Welt. Wenn fie wieder
vorangeht, dann können und werden die Privaten, auf deren Thätigkeit fie einft
fo erfolgreich eingewirkt hat, auch ferner nicht Zurückbleiben, nicht Zurück
bleiben dürfen. .
Will man aber der Staatsdruckerei diefe nothwendige Selbftftändigkeit
nicht geben, fo ift es beffer, fie aufzulöfen, als dafs fie mit Rückficht auf ihren
Beruf, fo zu fagen, nicht leben und nicht flerben kann. Vor Allem wolle man abei
im Auge behalten, dafs das Inftitut der Staatsdruckereien doch einen guten
Grun.d & haben mufs, weil auch dort, wo noch keine beftanden oder beftehen, in
neuerer Zeit folche gegründet wurden, und noch gegründet werden.
Selb ft das allgemein bekannte Sparfyftem Preufsens hinderte nicht, dafs,
von den grofsen Erfolgen der Wiener Staatsdruckerei angefpornt, der Com-
miffionsrath Wedding feinerzeü nach Wien gefandt wurde, um die Einrichtung
diefer Anftalt kennen zu lernen und feine Erfahrungen für die 1S51 erichtete
königlich preufsifche Staatsdruckerei zu verwerthen.
Nachdem wir unfere Anficht über die k. k. Hof- und Staatsdiuckeiei
hier ausgefprochen, wollen wir jetzt zur Betrachtung der von ihr hors concours
ausgeftellten Gegenftände übergehen, die fich in einem tifchartigen Glaskaften
und an der dahinter befindlichen Wand vereinigt befanden.
Neben den Druckformen und Matrizen der meiften in der Staats
druckerei gepflegten grap hifche n Kunftfächer, welche ausgeftellt waren,
miiffen wir vor allem zweier grofser und dicker Bände Erwähnung thun, in welchen
durch Sammlung von Erzeugniffen der Anftalt der Reicbthumund der Umfang der
Staatsdruckerei ambeften zu überfehen war. Der eine, die f r e m d f p r a chli c h e n
Typen enthaltend, zeigte, dafs die Staatsdruckerei trotz dem ihr aufgenothigten
Sparfyftem auch unter der jetzigen Direktion nicht flehen bleibt, fondern dafs fie
je nach Bedarf ihren Letternreichthum durch neue Schnitte fortwährend bereichert.
Der andere Band, die fämmtlichen graphifchen Kunftzweige enthaltend,
war durch Abdrücke aus allen graphifchen Fächern der Anftali zufammengeftellt,
und man konnte daraus die vielfältigen Druckmanieren der Staatsdruckerei am
beften kennen lernen. , . . , . „ ,, 7 ,
Der eigentliche Bücherdruck war durch 40 der verfchiedenartigften Weike
vertreten. Das eine für Braumüll e r in Wien gedruckte Werk: Ueber den
einheitlichen Urfprung der Sprachen der alten Welt, von
Reinifc h zeigte eine folche Made der verfchiedenartigften Schriftzeichen daf-
es allein fchon hinreichen würde, für den Typenreichthum der Staatsdruckerei
Zeugnifs abzulegen. Andere hervorragende Werke waren: eine Grammatik der
vulgär-arabifchen Sprache: ein malayifch-franzöfifches Wörterbuch und ein java-
nifch-franzöfifches Wörterbuch, beide von Abbe Favre ; ein kalmückifches Märchen
buch mit deutfcher Ueberfetzung neben dem kalmückifchen Texte ; eine Syntax
der chinefifchen Sprache, für welche befonders viele neue chmefifche Schrift
zeichen gefchnitten wurden. Der Mufiknotendruck war durch mehrere gut und
fcharf gedruckte Werke vertreten, und zeigten die dazu verwandten Notentypen
einen fchönen Schnitt. Als ein in feiner Art befonders fchönes Werkelten muffen