MAK

Full text: Buchdruck (Gruppe XII, Section 1), officieller Ausstellungs-Bericht

Buchdruck. 
31 
* Aufser vielen Initialen und Miniaturen für das Reifs’fclie Miffale romanum 
hatte Knöfler auch verfchiedene Heiligenbilder, welche für Puftet in Regensburg 
waren angefertigt worden, ausgeftellt. 
Knöfler’sKunft befteht hauptfächlich in der wunderbar fchönen Ausführung 
der Geflehter. Engelsköpfe, deren oft eine bedeutende Zahl auf Heiligenbildern 
vorkommt, oft kaum fo grofs als eine Linfe, find ebenfo tadellos ausgeführt, wie 
feine grofsen Madonnen. Von allen aus der xylographifchen Abtheilung diefes 
Inflitutes hervorgegangenen Bildern hat Knöfler die Geflehter und Hände felbft 
gefchnitten, während er die übrigen Theile der Ausführung feinen Mitarbeitern 
überläfst. 
Gegenüber von Knöfler hatte Heinrich Reifs in Wien fein berühmtes 
nMiffale romanum“, fein „Gebetbuch für Katholiken“ und fein „Livre d’heures“, 
beide von Mfgr. Mislin verfafst, und den für Piermann Paar gedruckten Kopf von 
van Eyck ausgeftellt. 
Herrn Reifs gebührt das Verdienft, den xylographifchen Farbendruck 
zuerft in Wien betrieben und damit einen Zweig der graphifchen Künfte ausge 
bildet zu haben, der fleh allein in Wien zu einer ungeahnten Höhe und Blüthe 
entwickelt hat. Zwar hatte Profeffor Blafius Höfel, einer der tüchtigflen und 
genialflen Xylographen, von deffenHand noch Vieles in den älteren Schriftproben 
Carl Fromme’s zu finden ift, und der feinerzeit auch ein Privilegium für eine 
Kunftdruckerei erhalten hat, fchon in den Vierzigerjahren Blumen in xylographi- 
fchem Farbendruck erzeugt, doch war deffen Manier eine ganz andere als die von 
Reifs unter Mitwirkung Knöfler’s und fpäter Paar’s ins Leben gerufene. Unferes 
Wiffens druckte Höfel feine Blumen von einem und demselben Stocke und nur 
durch das verfchiedenartige Ausfehneiden des Rähmchens an der Handpreffe 
druckte er die verfchiedenen Farben; während Reifs zuerft den Contourftock 
fchneiden läfst, davon Abzüge macht und fo viele davon auf andere Holzftöcke 
durch Umdruck überträgt, als Farben gedruckt werden follen. Aufdiefen Stöcken 
wird nun alles das weggefchnitten, was nicht zu der zu druckenden Farbe gehört. 
Durch diefe Manier gelingt es auch, dafs durch Uebereinanderdrucken mehrerer 
Farben, gleich wie beim Uebermalen, verfchiedene Töne entftehen und dafs das 
Verlaufen der einen Farbe in die andere fo fchön erreicht wird. 
Die prachtvollen Initialen und Miniaturen des „Miffale romanum“, lauter 
Nachbildungen der beften Arbeiten in den Handfchriften aus dem 13., 14. und 
15. Jahrhundert, bilden den Glanzpunkt diefes einzig daftehenden Kunftwerkes. 
Die erften Lieferungen desfelben wurden fchon auf den Weltausflellungen zu 
London und Paris mit Medaillen bedacht und trugen Herrn Reifs auch mehrere 
Orden ein. 
Zu bedauern ift nur, dafs es diefem Kunftwerke leider gerade fo geht, als 
vielen anderen, dafs nämlich feine Anlage eine würdige ift, das Ende aber dem 
Anfänge nicht gleichkommt. Vom erften Bogen an bis über die Hälfte hinaus 
ift diefes Werk auf gutes, ftarkes, dem Zwecke entfprechendes Papier gedruckt, 
dagegen wurde für den Reft bis ans Ende, aus einer am Unrechten Orte ange 
brachten Sparfamkeit, minder gutes und leichteres Papier genommen. Auch die 
Miniaturen, denen man im Anfänge fo grofse Sorgfalt zugewandt hatte, da jede 
einzelne mit 12 bis 14 Farben gedruckt wurde, mufsten fleh gegen das Ende zu 
mit weniger Farben begnügen. Der Druck des Textes ift dem der Initialen und 
Miniaturen nicht ebenbürtig; auch wird das Auge durch die zufcharfeSchattirung 
des Textdruckes beleidigt. Doch trotz alledem und alledem kann Herr Reifs 
ftolz auf diefes Prachtwerk fein, und ftolz ift er auch darauf, diefs befagte der von 
ihm angeheftete Zettel, auf welchem folgende Worte ftanden: „Anerkennungs- 
Diplom nicht angenommen, entfehieden zurückgewiefen !“ 
Die beiden Gebetbücher find mit einer Anzahl Miniaturen aus dem Miffale 
ausgeftattet und die Seiten mit farbigen Ornamenten eingefafst. Beiden gereicht 
aber zum Nachtheil, dafs der weifse Papierrand zu fchmal ift. Wenn fchon die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.