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Full text : Buchdruck (Gruppe XII, Section 1), officieller Ausstellungs-Bericht

Buchdruck.

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den  gröfsten  Theil  aller  Buchdruckereien  in  Oefterreich,  es  bezogen  die  Donaufürftenthümer,
  felbft  Rufsland,  Italien  etc.  von  diefer  Firma  einen  Theil  ihres  Bedarfes. ­
  Die  Beftellung  an  Lettern  und  dergleichen  waren  ftets  fo  maffenhaft,  dafs  zur
Abliefentng  von  neu  einlaufenden  Aufträgen  gewöhnlich  ein  Termin  von  nicht
unter  fechs  Monaten  gegeben  werden  mufste.  Was  diefe  Schriftgiefserei  aber
auch  zu  leiften  im  Stande  ift,  wird  aus  folgender  Thatfache  erhellen:
Zum  Satze  der  verfchiedenen  officiellen  Ausflellungskataloge  wurden
benöthigt:  71  Centner  Colonel,  20  Centner  fette  Colonel,  528  Pfund  Petit,  23S
Pfund  fette  Petit,  783  Pfund  Garmond  und  158  Pfund  Cicero  Antiqua,  ohne  die
dazu  gehörigen  Quadraten.  —  Die  meiden  Schriftgiefsereien  in  Wien  und  Deutfchland
  waren  im  letzten  Jahre  vor  der  Ausftellung  mit  Aufträgen  fo  überhäuft,  dafs
iie  an  dem  Gufs  diefes  grofsen  Quantums  Lettern  fich  nur  zum  kleinften  Theile
hätten  betheiligen  können.  Die  Schriftgiefserei  der  „Bohemia“  jedoch,  die  zwar
ebenfalls  fehr  viel  zu  thun  hatte,  fetzte  ihren  patriotifchen  Stolz  darein,  die  gröfsere
Hälfte  diefes  Quantums  in  einem  Zeiträume  von  nicht  ganz  fechs  Monaten  zu
liefern,  die  andere  Hälfte,  die  erft  Mitte  Jänner  1873  beftellt  wurde,  lieferte  fie
fogar  fchon  in  nicht  ganz  drei  Monaten,  fo  dafs  am  1.  April  beinahe  das  ganze
Quantum  in  den  Händen  des  Beflellers  war.
Die  Lettern,  die  in  diefem  Gefchäfte  gegoffen  werden,  find  gewöhnlich
tadellos.  Dafs  dem  fo  ift,  liegt  nicht  allein  an  der  grofsen  Sorgfalt,  die  dem  Guffe
und  der  Zurichtung  gewidmet  wird,  fondern  gröfstentheils  daran,  dafs  diejenigen
Arbeiter,  welche  die  letzte  Feile  an  die  Typen  zu  legen  haben,  die  fogenannten
Fertigmacher,  im  fixen  Lohn,  nicht  aber  im  Berechnen  ftehen.  Es  wird
Jedem,  nicht  nur  dem  Fachmanne,  klar  fein,  dafs  der  Arbeiter,  der  nach  dem
Gewichte  oder  nach  der  Zahl  der  fertiggemachten  Lettern  entlohnt  wird  hch
nicht  der  gewiffenhaften  Mühe  unterziehen  wird,  jeden  fehlerhaften  Buchftaben
aus  feinen  fertiggemachten  Zeilen  auszuftofsen,  oder  die  Ziehklinge  nui  e  ir
behutfam  zu  handhaben  u.  dgl.  mehr,  vielmehr  wird  er  in  feinem  eigenften
Intereffe  trachten,  recht  viele  Lettern  im  Laufe  der  Woche  fertig  zu  (teilen,  um
einen  möglichft  hohen  Wochenlohn  zu  erzielen.  .
Dagegen  kann  der  Fertigmacher,  der  im  fixen  Lohne  fleht,  femei  Aibeitc  ie
gewiffenhaftefte  Sorge  widmen,  weil  es  für  ihn  gleichgiltig  ift,  ob  er  am  Schlufs
der  Woche  um  ein  paar  Pfund  Lettern  mehr  oder  weniger  fertig  gemacht  hat.
Durch  das  Fertigmachen  der  Lettern  im  Berechnen  haben  jedoch  nicht  allem  die
Fertigmacher,  fondern  auch  die  Schriftgiefsereibefitzer  Vortheile;  die  elfteren
durch  Erzielung  eines  höheren  Lohnes  und  die  letzteren  dadurch,  dafs  eben  der
berechnende  Fertigmacher  nicht  fo  viele  fchadhaft  gegoffene  Buchftaben  zum
Umguffe  wieder  in  den  Schmelzofen  wirft.  Die  Buchdruckeremefitzer  aber,  die
folch  tadelhafte  Lettern  erhalten,  haben  den  Schaden  zu  tragen  wefshalb  auch
jedem  Druckereibefitzer  zu  rathenift,  feine  Aufträge  hauptfachlich  jenen  Schriftgiefsereien
  zuzuwenden,  in  welchen  die  Fertigmacher  um  fixen  Lohn  arbeiten.
Als  Erzeugniffe  der  Schriftgiefserei  hatte  die  „Bohemia“  in  einem  grofsen
Schranke  Stempel,  Matrizen,  Lettern,  dann  ihre  reichhaltigen  Schriftproben,
galvanifche  Platten  und  dergleichen  mehr  ausgeftellt.  Die  von  ihr  vorgelegten
Erzeugniffe  der  Buchdruckerei  waren  aber  leider  nicht  alle  derart,  als  wir  fonft
von  der  alten  Firma  Gottlieb  Haafe's  Söhne  zu  feilen  gewohnt  waren.  Vieles
Schöne  war  älteren  Datums.  Um  abe t  nicht  ungerecht  zu  fein,  muffen  wir  hier
anführen,  dafs  die  Killen,  in  denen  die  auszuftellenden  Gegenftande  verpackt
gewefen,  beim  Transporte  nach  Wien  vom  Regen  gelitten  hatten,  wodurch  Vieles
ganz  verdorben  wurde.  So  mag  es  denn  gekommen  fein,  dafs  Manches  gar  nicht
ausgeftellt  werden  konnte,  das  unter  anderen  Umftänden  des  alten  Rufes  der
Firma  voUftändig  würdig  gewefen  wäre.  .  ,  „  ..
Von  dem  Ausgeftellten  müffen  wir  ein  Porträt  Seiner  Majeftat  des  kaifers
Franz  Jofef  I.  in  Farbendruck  hervorheben.  Diefes  Porträt,  entworfen  von  Julius
Me  ift  er,  war  durch  den  Druck  auf  der  Buchdruckerpreffe  von  18  geätzten  Zink-
            
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