Webereimafchinen.
215
wohl gerechtfertigt erfcheint Derfelbe fundlionirt in Verbindung mit jener
Abftellvorrichtung, welche felbftthätig beim Steckenbleiben der Schütze im Fach
einfetzt.
Der von der Schützenfpindel ablaufende Schufs paffirt vor dem Heraus
treten aus der Schutze das Oehr eines zweiarmigen Hebels, welcher in Folge
deffen auf diefer Seite durch die Fadenfpannung entgegen feinem Uebergewichte
in gehobener Stellung gehalten wird; der andere Arm verfchliefst hierbei in feiner
gefenkten Lage ein Loch in der Schützenwand, wodurch das Eintreten eines
Stiftes an dem federnden Backen der Schütze verhütet wird.
Fehlt jedoch der Schufsfaden, fo fällt die Oehrfeite des Wächterhebels
herab, und das Loch in der Schützenwand wird frei. Kommt daher die Schütze
mit abgelaufenem oder abgeriffenem Schufs in den Karten, fo drückt die Kaften-
klappe den federnden Backen an der Schütze zufammen, und der Stuhl rückt aus
gerade fo, als ob keine Schütze in dem Schützenkaften angekommen wäre. * Wie
oben fchon erwähnt wurde, fpringt bei diefer Ausrückung die Lade fo weit
zurück, dafs ohne weiters—■ alfo ohne Zurückdrehen der Lade der Schufsfaden
eingelegt werden kann.
Die Erfchütterungen während des Laufes der Schütze fichein beim f ehlen
des Schuffes das Niederfenken des Wächterhebels, wenn derfelbe nicht gerade
durch Staub oder verharztes Oel feftgehalten ift. Darum ift bei diefem Schützen-
Schufswächter auf die Reinhaltung befonders zu achten, wenn der Apparat feinen
Dienft nicht verfagen fort.
Bei geringem, kurzfaferigem Eintrag verlegt fich nun allerdings der V ach-
terhebel fehr leicht, wogegen der von der S ä ch f i fc h e n W e b ft uh 1 - F a b r i k
(vormals Louis Schönherr) gelieferte Nadel-Schufswächter einem folchen Vor
würfe nicht ausgefetzt ift. Derfelbe repräfentirt eilte ganz neue, iinnreiehe und
bereits vollkommen ausgebildete Erfindung in der Webereibranche, dei wir hier
keine zweite zur Seite zu ftellen vermögen.
Schönherr’s Na d e 1 - S c h uf s wä c h t e r ift (wie der Gabel-Schufswäch-
ter) nach dem Fühlerfyfteme eingerichtet, d. h. derfelbe fühlt nach dem Vorhan
denfein des Schuffes, um bei deffen Ausbleiben fofort die Einftellung des Stuhles
hervorzurufen. Dabei unterfcheidet er fich höchft vortheilhaft vom Gabel-Schufs-
wächter und vom Schützen-Schufswächter, dafs er bei mangelndem Einfchlag
während des Laufes der Schütze durch das offene Fach und — im Vergleiche
zum Gabel-Schufswächter — auch noch ohne Rückficht auf die Zahl dei von
einer Seite hintereinander abgehenden Schützen abftellt. Zugleich ift der Schön
h e rr’fche Schufswächter auch an b e i d e n Seiten des Gewebes wirkfam und feine
Einrichtung bei allem fo einfach und verläfslich, dafs er mit Recht die Aufmerk-
famkeit und Anerkennung aller Sachverftändigen auf fich gelenkt hat.
Um diefe fchöne Erfindung hier wenigftens anzudeuten,** fo befindet fich
auf jeder Seite des Gewebes eine nach zwei Richtungen drehbar aufgehängte,
etwa 30 Millimeter von den äufserften Leiftenfäden entfernte Nadel aus fchwach
gekrümmtem Stahldraht, welche während des Rückganges der Lade und vor
Abgang der Schütze durch einen Mechanismus von der Hauptwelle aus fo geftellt
wird, dafs der abgefchoffene Eintrag fich um die Nadel umlegen und dadurch —
diefelbe mit fortziehend — bis zur Gewebeleifte hin verdrehen mufs.
Gefchieht diefs, fo findet der Ausrückhebel ein Hindernifs, um den Stuhl
in Stillftand zu fetzen. Fehlt aber der Schufs oder ift derfelbe zu kurz, alfo der
Zug des übrig bleibenden Fadenftückes zu fchwach, um die Verdrehung der Nadel
zur Gewebeleifte auszuführen fo fleht dem Ausrückhebel nunmehl nichts im
* Näher befchrieben und abgebildet in Dingler’s polytechnifchem Journal, 1872,
Band CCIJ k ezfi [;*), der näheren Ausführung verwerte ich auf meine unter den Notizen aus
der Wiener Weltau.sftellung , ‘ in Dingler's polytechnifchem Journal, 1873, Band OCX bette
241 u. ff. mit ausführlichen Abbildungen mitgetheilte Befchretbung. J- z..