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Full text: Die Goldschmiedekunst (Arbeiten in Edelmetall und Edelstein), (Gruppe VII, Section 1), officieller Ausstellungs-Bericht

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Jakob Falke. 
Es gibt, ohne zur vollen Vergoldung greifen zu müffen, noch einen Weg, 
der dem Silber Glanz und Farbe, alfo fein Wefen läfst, und doch auch dem 
Relief fein Recht bewahrt, ohne zur Rümpfen Oxydirung greifen zu müffen. Die- 
fen Weg hatten die Franzofen oder vielmehr Chriftofle bei vielen feinerfchön- 
Ren und reizendften Arbeiten, namentlich auch bei folchen, die mit Laub und 
Figuren gefchmückt waren, eingefchlagen. Er befteht einfach darin, dafs man 
den GegenRand vergoldet und die Vergoldung bis auf einen zarten, warmen 
Schimmer wieder abreibt. So bleibt das Silber in feiner Eigentümlichkeit, ver 
liert aber gänzlich den kalten und Rechenden Ton und erfcheinthöchR angenehm 
für das Auge. Diefes Verfahren iR aus künRlerifchem Geüchtspunkte im höchRen 
Grade beachtenswert. 
Auf diefe bisher erwähnten Verfahrungsweifen befchränkte fich im Allge 
meinen die Behandlung der Oberfläche beb den modernen Silberarbeiten. Wir 
fehen dabei von der Cifelirung oder Gravirung als gemeinfamer Technik ab. In 
diefer rein technifchen Beziehung wäre nur das zu erwähnen, dafs das Treiben 
des Silbers bei künRlerifchen GegenRänden zur Verzierung mit Ornament oder 
Figuren, das in alter KunR allbeliebt und verbreitet war, heute eine verhältnifs- 
mäfsig fehr feltene Procedur iR und in faR allen Fällen durch den Gufs und nach 
folgende Cifelirung erfetzt wird. Die häufigRe Anwendung desTreibens gefchieht 
bei den kirchlichen GegenRänden, auf welche wir noch in Kürze zu fprechen 
kommen werden. Doch haben wir vorher noch von einigen fpeciellen Decora- 
tionsweifen des Silbers zu reden, die allerdings heute am häufigRen bei den 
Schmuckarbeiten oder in der kirchlichen KunR angewendet werden, jedoch uns 
auch in den nationalen Arbeiten und hier und da auch bei den modernen begeg 
nen. Wir meinen insbefondere N i e 11 o und Email. 
Das Nie 11 o, die Ausfüllung ausgravirter Verzierungen auf der Silber 
platte mit metallifcher Schwärze, gehört ebenfalls zu den technifchen Ornamen- 
tationsarten, welche, im Mittelalter und noch in der Frühzeit der Renaiffance 
viel geübt, heute aus der modernen GoldfchmiedekunR verfchwunden waren. 
Nur die nationale KunR des Orients und Rufslands hat fie bewahrt. Von daher 
Rammten auch vor allem die Beifpiele auf der AusRellung. Es waren theils Waf 
fen, insbefondere Dolchfcheiden, die mi^ niellirten Silberplatten belegt waren, 
vorzugsweife Arbeiten aus dem Kaukafus. Ueb'rigens kennen fie auch verfchiedene 
Provinzen des türkifchen Reiches. Der EffecR in der Verbindung der polirten 
Schwärze mit dem Silber iR gut und fein, die Ausführung aber bei diefen orien- 
talifchen WaffenRücken keineswegs fo vollendet und ausgezeichnet, wie bei den 
älteren Arbeiten, insbefondere Italiens. Die Zeichnung iR breiter und gröber 
gehalten. 
Auch die ruffifchen Niellen, die nach dem hauptfächlichRen Fabrikations 
ort unter dem Namen der „Tula-Arbeiten“ weltbekannt geworden, find keines 
wegs mehr das an Schönheit, Feinheit und Originalität, was fie einR waren. Jede 
AusRellung und insbefondere die unfere, wo fie bei verfchiedenen Goldfehmieden 
in grofser Zahl erfchienen waren, zeigt den Rückfchritt vergröfsert, und zwar 
beReht diefer Rückfchritt darin, dafs die alte Weife aufgegeben wird und das 
Genre fleh zu moderniflren, fleh auf europäifchen Fufs einzurichten trachtet. Die 
alten Arabesken, die fleh in reizenden Zügen und Verfchlingungen fo hübfeh 
über die blanke Silberfläche vertheilten, werden erfetzt durch Städte-Anflchten, 
Landfchaften oder gar Porträts, und was das SchlimmRe iR, es wird der Grund 
vergoldet, wodurch eine ganz ordinäre Wirkung Ratt der feinen und vornehmen 
Haltung entReht. Zugleich verfchlechtern fleh die Formen diefer kleinen, fonfl 
fo zierlichen Gefäfse und Geräthe, fo dafs das Genre in jeder Beziehung finkt. 
Je mehr diefer Verfall in Rufsland eintritt, je mehr foll die europäifche 
Fabrikation daran denken, das Genre für fleh aufzunehmen und zu verwerthen. 
Es müfste freilich nach den alten Vorbildern gefchehen oder nachdem, was 
noch in echter Weife im Orient gefchaffen wird. Der Anfang iR auch bereits dazu
	        
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