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Volltext: Die Goldschmiedekunst (Arbeiten in Edelmetall und Edelstein), (Gruppe VII, Section 1), officieller Ausstellungs-Bericht

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Jakob Falke. 
tationsgenre der Riemen, Schnallen, Bänder, Schleifen, Manfchetten und was der 
gleichen mehr ift, auch in der Goldfchmiedekunft ein. Das Gemifch aller diefer 
Elemente bildete die Kunftart des Schmuckes, der Armbänder, Brochen. 
Ringe u. f. w. in den fünfziger Jahren diefes Jahrhunderts. 
Wie auf allen Gebieten der Kunftinduftrie, fo regte fich auch hiergegen 
die Oppofition. Sie kam aber diefsmal von anderer Seite und in anderer Art und 
nicht gerade in abfichtlicher Reform. Der neue Stil oder die neue Mode des 
Schmuckes, welche zunächft die Arbeit verfeinern, die Technik erweitern, die 
Formen veredeln follten, war der antike. Die antiken Schmuckgegenfbände wurden 
fall zugleich von zwei Seiten als Vorbilder aufgeftellt, in Italien und in Frank 
reich, aber in verfchiedenem Sinne. In Italien galt es zunächft, die treue Wieder 
gabe des antiken Schmuckes in all’ feinerSchönheit und Feinheit; in Frankreich 
handelt es fich dagegen um neue Formen für die Mode. Den griechifchen und 
etruskifchen Formen folgten ägyptifche und byzantinifche, und da auch die ita- 
lienifchen Beftrebungen dem dortigen modernen Schmucke zugute kamen, fo war 
diefer bald aller Orten von antiken Motiven durchdrungen, ohne dafs die alten 
fchon darum befeitigt gewefen wären. Ift die Buntheit der Stilarten dadurch nur 
vermehrt worden, fo ift doch andererfeits der Einflufs des antiken Schmuckes 
nur vom grofsten Vortheil gewefen. Sehr geringen Einflufs hat dagegen, ganz im 
Gegenfatz gegen die Silberarbeiten, der Renaiffancefchmuck gezeigt, doch hat 
er feine Traditionen, die wieder aufzuleben beginnen. Es ift das zunächft im 
nationalen Schmucke der Fall, der noch eine felbftftändige Stellung neben der 
Mode einnimmt. Die Weltausftellung gab uns über alles das genügenden Auf- 
fchlufs ; man konnte gar leicht erkennen, welche Stellung die einzelnen Länder 
theils zu den gefchilderten Zuftänden des Modefchmuckes, theils zu den natio 
nalen Traditionen einnehmen. 
Die Ausftellung der Schmuckgegenftände war höchft vielfeitig, ja allum- 
faffend; kein Zweig der Kunftinduftrie zeigte vielleicht weniger Lücken. Frank 
reich, Italien, England, Deutfehl and, Oeflerreich, Dänemark vertraten all’ den 
modernen Schmuck und doch mit grofsen Eigenthümlichkeiten oder Varietäten. 
Noch mannigfaltiger faft zeigte fich der nationale Schmuck, zu dem von Europa 
insbefondere Norwegen, Portugal und Ungarn Beiträge geftellt hatten; aufserdem 
vor allem Indien, die malayifchen Infein Hollands, China und Japan, Nord- 
Afrika von Aegypten bis Marokko. In Bezug auf den modernen Schmuck nahm 
Itali en vielleicht die eigenthümlichfle Stellung ein durch die Richtung, welche 
die Nachahmung des antiken Schmuckes feinen Goldarbeiten gegeben hatte. In 
diefer fpeciellen Richtung waren diefelben die vorragendften auf der Weltaus 
ftellung, die erften Leitungen des reinen Goldfchmuckes, die heute gefchaffen 
werden. Daneben glänzte Italien auch auf dem Gebiete des nationalen Schmuckes 
durch feine Filigranarbeiten. Frankreich, das, wie fchon angedeutet, auch 
feinerfeits Art und Formen des antiken Schmuckes adoptirt zeigte, war auch im 
Schmuck feinem fonftigen Charakter treu geblieben, Motive, Vorbilder, Ideen 
von aller Welt aufzunehmen und in fein Eigenes, in die Mode umzufetzen. So 
gab es fall keinen Schmuck anderswo, der nicht auch unter den franzöfifchen 
Arbeiten zu fehen gewefen wäre. Als Nachtreter Frankreichs in diefer feiner Art 
erfchien der reich vertretene deutfehe Schmuck der fiidweftdeutfehen Städte 
Hanau, Pforzheim, Stuttgart u. a. England imitirt wie Frankreich die Motive 
jeder Art und jedes Landes, aber ohne fie in eigener Weife zu überfetzen und zu 
verwandeln. Auch D ä n e m a rk, in deffen Kunftinduftrie fich feit Thorwaldfen 
eine antikifirende Richtung geltend macht, hatte in fchönen Beifpielen Gold- 
fchmuck in antiker Art zur Ausftellung gebracht, daneben aber auch nordifche 
Filigranmotive verwerthet. Bei Oeflerreich überwog bei weitem der Edel- 
fteinfchmuck vor dem verhältnifsmäfsig unbedeutenden Goldfchmuck. Diefs find 
die charakteriftifchen Züge der hauptfächlichften Fabriksländer des modernen 
Goldfchmuckes.
	        
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