Schmuckarbeiten in Gold und Silber.
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die Art der Zeichnung in den Ornamenten keineswegs genügte; ebenfo rechnen
wir dahin namentlich bei der erfteren Firma emaillirten und incruftirten
Schmuck. Vor allem gehört hierher die Imitation des alten ungarischen Schmuckes
mit Steinen, Perlen und Email, fo dafs der Effekt ein durchaus farbiger ift. In
Wahrheit ift diefe Manier eine Tradition der Renaiffance und ihres Schmuckes,
die {ich bei dem ungarifchen Coftüm erhalten hat, heute erneuerten Beifall findet
und von jenem befchränkten nationalen Gebiete auf ein allgemeineres Feld übergeht.
Die Fabrikanten diefes Schmuckes find in Wien, wie die bereits genannte
Firma von H. Ratze rsdorfer oder zugleich in Pefl anfäffig, wie die Gebrüder
Egger. Man fah daher diefen Schmuck in der öfterreichifchen wie auch in
der ungarifchen Abtheilung. Ein befonders fchönes Beifpiel von reicherer Art
(Eigenthum des Grafen Edm. Zichy) hatte E. Biedermann in Wien zur Ausheilung
gebracht. Einer der Wiener Goldfehmiede, Hermann Böhm, hatte aber
auch eine exceffive Anwendung diefer Manier gemacht, indem er einen koloffalen
runden Schild und eine gi'ofse Axt nach ungarifcher Art in überaus reicher
Weife damit überzog, fo reich, dafs die Gegenftände felbft als Prunkftücke hirnlos
waren und kein Vergnügen übrig blieb, als die Freude an der guten Arbeit
des Details.
Auch die dänifchen Schmuckarbeiten verbanden wie die öfterreichifchen
nationale Elemente mit ganz modernen und Richten jene für denmodifchen
Gebrauch zu verwerthen. In diefer gemifchten Art bot die Schmuckcollektion des
fchon genannten Kopenhagener Silberfabrikanten Chriftefen nicht geringes
Intereffe. Es fanden fich in derfelben vortreffliche Imitationen antiken Schmuckes,
welche wohl den italienifchen am nächften kamen und andere Goldarbeiten von
Armbändern, Ohrgehängen, Hals- und Bruflfchmuck, welche altnordifche mit
Glück zu modernihren trachteten. Beide Arten machten fehr guten Eindruck,
nur leider war diefer Eindruck durch eine Collektion des gewöhnlichften
Schmuckes im Schnallen- und Manfchettenftil wieder gefchädigt.
Ein ähnliches Beftreben, nordifche Schmuckelemente zu modernihren und
für den allgemeinen Gebrauch zu verwerthen, fah man in der norwegifchen
Ausheilung bei einem Goldfehmied von Chriftiania, Toftrup. Norwegen gehört
zu den Ländern, wo hch im Bauernfchmuck das Silberhligran feit Jahrhunderten
erhalten hat. Die Motive desfelben, Rofetten, Knöpfe, bandartige Filigranverfchlingungen
in frühmittelalterlicher Weife, dazu kleine klirrende Anhängfel mit
Kettchen, verwendet Toftrup zu Diademen und anderem Kopffchmuck, zu Ohrgehängen,
Halsbändern, Brochen, Ketten und Kreuzen, verbeffert und ftilihrt die
Zeichnung und fchafft fo manch’ reizendes effektvolles Stück, das oft in feiner
Präcihon antiken Eindruck macht. Auch andere Artikel, wie Schalen, Leuchter,
Körbe, die wir hier aber unberückhchtigt laffen, macht derfelbe Fabrikant aus
Filigran.
Das gleiche Gemifch, wie es bei dem Dänen Chriftefen zu fehen war, das
Gemifch des modernsten Schmuckes der verwerflichften Art mit wahrhaft reizenden
Gegenftänden, konnte man auch in der Schmuckausftellung Rufslands
wahrnehmen. Aber dasjenige, was wir hier das Reizende nennen, bewegte fich
nicht in antiken Formen, fondern in einem fehr farbigen Genre und zum Theil
auch in den Motiven der ornamentalen Holzarchitektur, die wir fchon bei den
gröfseren Silberarbeiten Rufslands näher befprochen haben. Diefe Arbeiten,
deren man zahlreiche Beifpiele in den Collektionen von W. Adler und Otto
Kr umbügel in Moskau fah, durch ihr reizendes Email im Allgemeinen von
höchft gefälligem Eindruck, litten doch an den Reifen Formen der Originalmotive,
die fich hier im gefchmeidigen Golde faft noch mehr bemerklichmachten,
wie bei den Silberarbeiten. Bei weitem fchöner und anmuthiger war ein anderes
Genre von Bijouterie bei Tfchitfcheleff, Goldarbeiter und Juwelier in Moskau
: Schmuckgegenftände aus kleinen verfchlungenen Goldbändern, die zierlich
durch einander laufen, alles farbig emaillirt mit Perlen, Diamanten und farbigen