Schmuckarbeiten in Gold und Silber.
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in Uebung fleht. Künfllerifch noch vorzüglicher waren die Goldfiligrane, meifl
Schmuckgegenftände, wie: Brochen, Ohrgehänge, Armbänder, die, in gefchnitz-
ter Elfenbeincaffette eine Garnitur bildend, fchon für den europäifchen Gebrauch
beflimmt erfcheinen. Ihrer künfllerifchen Art nach beflehen fie aus Filigran
feheiben oder Platten, auf denen im freien Relief und in ganz freier natürlicher
Bewegung ohne alle Spur chinefifcher Bizarrerie Vögel und andere Thiere fich
bewegen. Die Goldfäden, aus denen fie gebildet worden, find von feinfler Art.
Zuweilen find auch die Platten aus dem gelben Hornfloff eines beflimmten Vogel-
fchnabels gefchnitten, mit Reliefs verziert und mit Filigran gefafst. Diefe in
ihrer Art höchfl vollendeten Arbeiten zeichneten fich auch durch ihre grofse
Billigkeit aus. Sie hätten der Induflrie jedes Landes Ehre gemacht; in derchine-
fifchen Abtheilung fcheinen fie vom Publicum faft unbeachtet geblieben zu fein.
Was von den Schmuckgegenfländen China’s und Japans, fowie des übri
gen Orients gilt, die vorragende, oft einzige Bedeutung des Filigrans, das kann
man von Indien und feinem Schmucke nicht behaupten. Allerdings fpielt auch
hier das Filigran eine grofse Rolle, und es gibt in diefer Art Arbeiten von Sil
ber, zum Volksfchmucke gehörig, namentlich Armbänder und Halsgehänge, von
höchfter Feinheit. Ebenfo fah man unter dem malayifchen Schmucke, wie er von
Java und Sumatra in der holländifchen Abtheilung ausgeflellt war, Goldfiligrane
von gröfster Vollendung, wenn auch barocker in der Form als die indifchen.
Aber der übrige Schmuck, den uns Indien zur Ausflellung gebracht hatte, nament
lich derjenige in Verbindung mit Email und Edelfleinen, obwohl kaum ein Stück
erflen Ranges darunter war, überwog an Bedeutung die Filigranarbeiten. Keine
Nation vielleicht liebt den Schmuck wie die indifche, keine weifs ihn aber auch,
felbfl den unechten, fo effektvoll zu geftalten, keine fetzt die Steine gleich
gefchickt zu prächtiger Decoration zufammen, keine übertrifft fie in der Behand
lung des transparenten Emails. Wir haben — allerdings nicht auf unferer Aus
flellung, fondern zu London — Goldarbeiten gefehen, die in reizenden Arabes
ken mit verfchiedenfarbigem, translucidem Email verziert waren, von einer
Schönheit fowohl der Arbeit, des Gefammteffekles, wie der einzelnen Schmelz
farben, dafsfie in allen diefen Beziehungen den fchönflen Arbeiten der Renaiffance
an die Seite gefetzt werden konnten. Aber auch unfere Ausflellung zeigte in die
fer Beziehung manches Vorzügliche und Beachtenswerthe, z. B. Armbänder oder
Halsbänder, aus grünemaillirten Goldfeheiben beftehend, in deren durchfichtigen
Schmelz wieder die zierlichften Goldornamente mit Jägern und Jagdthieren.
Bäumen und Laub eingefetzt waren. Diefe beiden Seiten des indifchen Gold-
fchmuckes, das Email und die Verwerthung der Steine, zeichnen denfelben vor
allen übrigen nationalen Arbeiten derfelben Art aus und empfehlen ihn am meiflen
der modernen Goldfchmiedekunfl zur Beachtung. Eine dritte Seite ifl die eigen-
thümliche Goldtaufchirung auf Stahl, die zwar meiflens bei anderen Gegen-
fländen, zumal Waffenflücken, angewendet, aber auch zu Schmuckgegenfländen
benützt wird