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Full text: Eisenbahn-Unter- und Oberbau (Gruppe 18, Section 2), Erster Band, officieller Ausstellungs-Bericht

1. Geschichtliche Entwickelung und wissenschaftlicher Stand etc. 
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worden, dass er mit eisernen Bögen zum Zwecke seiner Wölbung 
ausgerüstet wurde, 
Zu dieser Zeit nun trat der Tunnelbau in jenes Stadium der 
ausübenden Kunst, welches Sir Isambert Brunei geschaffen hat, 
und welches sich dadurch kennzeichnet, dass in ihm der Beweis 
geliefert wurde, wie ein Tunnelbau selbst durch den Schlamm eines 
Flusses hindurch, also unter den gefahrdrohendsten Umständen, tech 
nisch geschaffen werden kann. Wir meinen den eigentlichen Angriff 
des Baues des Themsetunnels, welcher schon 1793 durch Dodd und 
ein zweitesmal 1805 durch Yazie, ein drittesmal aber 1807 durch 
Trevithick und Vazie vergeblich unternommen worden war; 
welcher während seiner, vom 16. Februar 1825 bis zum 13. August 
1841 dauernden Bauzeit zehnmal ersäufte und welcher seinem 
Erbauer Brunei jenen Ruf einbrachte, der ihm den Rang des unüber 
troffenen Grossmeisters in unserem Fache beilegt. 
In der That war schon mit dem Angriffe des Baues des 
Themsetunnels ein ungemeiner Fortschritt, nicht sowohl in der 
Tunnelbaukunst allein, wie auf dem Gebiete der Ingenieurbauten 
überhaupt, erzielt worden; denn die Thatsache, dass Brunei ein 
so kühnes Unternehmen wirklich begann, hat ungemein wichtige 
fachliche und ethische Folgen herbeigeführt. 
Der Bau des Themsetunnels, lange Zeit vor einer wissen 
schaftlichen Ausbildung des Faches des Tunnelbaues, unter den 
schwierigsten und gefährlichsten Verhältnissen unternommen, in 
welche der Tunnelingenieur überhaupt gerathen kann: war näm 
lich das erste kühne Werk unter allen, welche die Bautechnik 
unseres Jahrhunderts so hervorragend auszeichnen; und wenn der 
Bau des Themsetunnels auch für seine Zeit als ein verfehltes 
finanzielles Unternehmen bezeichnet werden muss, so brach er 
doch jener Kühnheit die Bahn, welche die Genossenschaft der 
Ingenieure heute so auszeichnet, und bot er das erste Glied in jener 
Kette bantechnischer Leistungen, deren Existenz schon heute in der 
Absicht gravitirt, unter dem Meere zu fahren. 
Als nun Stephenson, während der Bauzeit des Themsetunnels 
mit seinen ungeheueren Errungenschaften auf der Stokton-Darling- 
toner Linie, dem Culturgange der Menschheit das Mittel zu einer 
neuen Existenz mühsam geschaffen hatte; als das Vehikel der
	        
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