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Brückenbau.
brücke (1779): hatte man zur Genüge gelernt einzusehen, wie
schädlich beim Anpralle der Hochwasser und der Eisstösse die
dicken Pfeiler seien; die französische Schule warf sich desshalb
auch mit Entschiedenheit auf die wissenschaftliche Bestimmung der
Durchflussweiten und auf die Ausmittelung der Minimalstärken der
Pfeiler, und ist es wiederum Perronet, der uns hierin leuchtend voran
gegangen ist, und der jene einzelnen Werke der Alten zum
Muster nahm, welche, allerdings auf trockenem Grunde erbaut,
sich schon durch dünne Pfeiler auszeichneten.
Wir haben vorhin erwähnt, dass einer der Fortschritte, welche
die Brückenbaukunst in der hier in Rede stehenden geschicht
lichen Periode machte, in der Ausdehnung der Anwendung der
Mathematik auf die Lehre von Gewölbe besteht; es ist selbstredend,
dass dieser rein wissenschaftliche Fortschritt der wesentlichste unter
allen war, und gehört seine Inauguration ebenfalls der französischen
Schule an. Pongelet und Tellkampf, welche sich um die Geschichte
der Theorieder Gewölbe (ersterer mit sein em „ Examen histori-
que etc.“, 1852, letzterer mit seiner Abhandlungin der „Zeitschrift des
Hannoveranischen Architekten- und Ingenieurvereines“, 1853) sein-
verdient gemacht haben, finden die Ausgangspunkte der heutigen
Anschauung der Theorie der Gewölbe beiLahire, dessen 1712 aufge
stellte Lehren noch für Perronet und Chezy massgebend waren und
bereits den sogenannten schädlichen Punkt im Winkel von 45° fanden.
Ausgebildet wurden die Lehren von Lahire durch Belidor und Bossut. In
der weiteren Reihe der Leistungen auf dem Gebiete der Theorie
der Gewölbe*finden wir die Arbeiten von Couplet (1729), von Prony,
von Coulomb (1773) und insbesondere die Versuche von Danisy
(1732) und Boitard (1800).
Die Theorie Coulomb’s fand 1820 durch Audoy neue Verbrei
tung, und sind es in der französischen Schule im Bereiche der hier
in Rede stehenden geschichtlichen Periode Lame und Chapeyron,
wie Navier und Pessy gewesen, welche sich um die Theorie der
Gewölbe ferner verdient gemacht haben. AberauchDeutschland,
angeregt durch seine Bauausführungen fing schon in dieser Periode
an, die Kraft seiner Selbständigkeit hervortreten zu lassen, obschon
es durch Lei bnitz und Bern ou 11 i noch seine Anknüpfung an die
französische Schule fand. Eitel wein war 1808 wohl der erste