III. Steinerne Brücken.
175
5. Wenn auch die G-egenwart bei dem Baue von Thalüber
brückungen in derKühnheit derConstructionshöhe noch nicbtso
weit gegangen ist, wie es die alten Meister beim Baue der Brücke
von Spoleto gethan haben, woselbst das Material des Pfeilerfusses
nachFontenay undMorandiere einem Drucke von 45.43 Kilogramm pro
Quadratcentimeter ausgesetzt ist, und wenn wir auch in der Gegen
wart die absolute Höhe dieses Aquäductes im Gebiete d,er gewölbten
Brücken noch nicht erreicht, auch zu dieser Erreichung keine Ver
anlassung gehabt haben, weil die hohen Thalübergänge unsererZeit
weit vortheilhafter durch eiserne Brücken hergestellt werden: so
fällt in unsere Zeit doch eine zahlreiche Entstehung von gewölbten
Thalüberbrückungen, die in Rücksicht auf die Erschütterungen,
denen sie durch den Eisenbahnverkehr ausgesetzt sind, weit
staunenswerthere Leistungen darstellen, als es die Aquäductbauten
der Alten waren.
Insbesondere ist es hier Deutschland, welches durch die
Höhe und den gewaltigen Stockwerksbau des Göltzsch-
thalviaductes in Sachsen die erste Rangstufe einnimmt, und wel
ches mit Oesterreich und Frankreich den unter Anderem durch die
Bauwerke von Franzthal und Chaumont so trefflich repräsentirten
gemeinsamen Charakterzug aufweist, sehr hohe Viaducte in Stock
werksform zu erbauen, während England, gekennzeichnet durch
die Viaducte von Lockwood und Wear, den Stockwerksbau meidet
und vermittelst schlank aufstrebenden, unverspannten Pfeilern
seine Thäler überbrückt.
Die folgende Tabelle gibt eine generelle Uebersicht dessen,
was unsere Zeit an hohen und kühnen Thalüberbrückungen, meist
zu Zwecken des Eisenbahnbaues geleistet hat.
In dieser Tabelle sind der besseren Uebersicht wegen auch
wieder die älteren grossen Thalüberbrückungen eingefügt.