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Brückenbau.
nieure zu Wien diess selbst vortrug, auf rein empirischem Wege
entstanden ist, da Ruppert 1862, angeregt durch die Besichtigung
der Saltashbrücke, die Linsenträger gleichsam auf Pfeilercon-
solen (wie Sattelhölzer bei Holzbrücken) legen wollte, wodurch eine
Durchschneidung der Stemm- und Hängegurten sich ergab. Rein
theoretisch wurde diese Idee der Brückenconstruction erst später
und zwar insbesondere von Gerber in Firma Klett und Compagnie
in Nürnberg verfolgt, welcher berühmte Constructeur, allerdings bei
minderzähliger Gurtenkreuzung, zuerst mit seinem bekannten Pro-
jecte der Vilsofner Brücke über die Donau auftrat und in der
That mit dem ersten diesartigen Bauwerke der Strassenbrücke über
den Main bei Hassfurt (drei Oeffnungen, eine ä 37. 9 Meter, zwei
ä 23.9 Meter) die Anwendung einer Constructionsweise inaugurirte,
die unbedingt mehr theoretischen als praktischen Werth besitzen
dürfte, zumal die bizarren Formen alle Kunstkritiker geradezu, und
nicht mit Unrecht aufgeregt haben.
8. Linsentriiger, System Lohse.
Dieses ganz neue System, welches von dem Erbauer der
Marienburger Nogatbrücke und der Cöluer Rheinbrücke herrührt,
den Grundgedanken von Laves verfolgt, in der Construction jedoch
(iesshalb ganz individuell auftritt, weil die Ober- und Untergurte
des Linsenträgers, an welchem die Fahrbahn hängt, aus steifen aus
gefachten Bogen bestehen, und weil die Diagonalen zwischen den
Gurten ausgelassen und die Verticalen als Hängestangen nur auf
Zug construirt sind, wurde unseres Wissens bis jetzt nur bei den
Elbebrücken der Venlo-Hamburger Linie nächst Hamburg und Har
burg angewendet. Wir kommen auf diese Bauwerke hier sofort unter
den Ausstellungsobjecten zu sprechen.
§. 2 Ausstellungsobjecte der Gitterträger mit gekrümmten Gurtungen.
A. Linsenträger.
1. Elbebrücke bei Hamburg. Dieses im Juli 1868 be
gonnene Bauwerk besteht aus drei Hauptöffnungen Lohse’schen
Systemes von 96. 35 3 Meter Lichtweite und 99. 178 Meter Stützweite
und auf jeder Uferseite aus je zwei eisernen Bogenbrücken ä