Gegenwart,
136 Gruppe XXV. Die bildenden Künste'der
gleiche Wirkung zu üben. Bis jetzt ist freilich wenig davon zu spüren.
die hlfnff S l h die ; Malerei ZU1 ' Ück - Es 8 iebt weder Traditionen,
den ff,nfv ri den ü r Ch . Schule ’ welche den einzelnen Talenten
Die 5 1 T i 6 n g6n in Wirkliche Fähigkeiten verwandelt.
, technische Ausbildung überschreitet' in vielen Fällen kaum die
ersten Anfänge. Oft genügt eine einfache Colorirung der Flächen
noc au ger sucht man durch schreiende Farbencontraste Effect zu
rufwTh Hl ^ 1 Und 1 d0rt bemerkt d ie Einflüsse Pariser Atelier"
auf weiche wohl auch manche Wahl der Gegenstände der Darstellung
erfuhren ist. Auch die italienische Malerei huldigt den Orient!
doch ohne über die ausreichenden Mittel der Schilderung zu verfügen
Der Pilgerzug nach Mekka von üssi in Flöhen z, dessen Werke in der
zten Pariser Weltausstellung den allgemeinsten Beifall fanden er
scheint trotz seiner Grösse oder vielleicht wegen seiner Grösse leer.
Bedenk enS ° F- 60 ^ altä ^P tische mannigfache kritische
(lenfcen Lin bemerkenswerther Zug der italienischen Malerei ist
die Vorliebe für historische Scenen. Die Geschichte des Mittelalters
un der neueren Zeiten, die italienische Local- und Familiengeschichte
ra!eH Un M ln - e Ti StattliChen Reihe V0U Bildenl vor 8' e führt. Bianca
Capello, Marino Fallen, die Lambertazzis und Buondelmontis, die Vis-
contis „nd Barbarigos u. s. w. empfangen alle durch die italienische
wirkend neU R'U 6n ' rü freillCh “ immt . man statt d es selbstständig
K , e “ 1 des e , lne Illustration eines historischen Ereignisses in den
au und findet nichtssagende Schilderungen unter klangvollem Titel.
Die patriotische Gesinnung muss solche Verirrungen des künstlerischen
Denkens entschuldigen, welche ja auch bei uns längere Zeit vorherrsch
ten und nur langsam einer geläuterten ästhetischen Anschauung zu
weichen beginnen. Erfreulicher wirken einzelne Genrebilder Bi an c hi’s
• in dun o s die au die deutsche gemüthliche Auffassung anstreifen,’
un meh fre keck und frisch hingeworfene Soldatenbilder z. B Cam-
marano s Bajonnetcharge derBersaglieri. Von Landschaften fesselten
insbesondere zwei Campagneansichten von Vertunni die Blicke der
Beschauer.
Im Kreise der Plastik stellt sich das Verhältniss Italiens zu den
u rigen Landern scheinbar viel günstiger. Die Marmortechnik hat
ner stets eine grosse Tüchtigkeit bewahrt, ja sie ist geradezu ein Mono
pol der betriebsamen Bevölkerung von Carrara geworden. Wie hilf-
los wäre die Lage der meisten europäischen Bildhauer, wenn sie auf
die Mitwirkung der scarpellini verzichten müssten, die es so vortreff-
ich verstehen , das Modell in Marmor treu zu übertragen und die In-
entionen des Künstlers auch in diesem spröden Materiale verständ
nisvoll , zuweilen sogar mit erhöheter Wirkung wiederzugeben. Wäh
rend aber früher die technischen Fertigkeiten sich der künstlerischen
1 hantasie unterordneten, glauben sie jetzt selbstständig auftreten zu