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Full text: Papier-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 7

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Gruppe XL Papier-Industrie. 
A. Die Rohmaterialieu. 
a. Die Hadern. 
Das seit sehr langer Zeit zur Papierfabrikation vorwiegend ver 
wendete Material ist der in den baumwollenen und leinenen Lumpen, 
in den Tauen und in ähnlichen Abfällen enthaltene Faserstoff. Dieser 
bildet noch jetzt das wichtigste Rohmaterial für diese Industrie. 
Schon seit langer Zeit sind indessen dem Fabrikanten aus der 
Benutzung dieses Materials Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten 
erwachsen; in den letzten Jahren sind nun aber die bereits früher 
fühlbar gewordenen Mängel sehr erhöhet worden und grell hervor 
getreten. Man hat sich deshalb eifrig bemüht, Materialien aufzufinden, 
welche geeignet sind, die Hadern ganz oder doch theilweise zu ersetzen, 
und in neuerer Zeit sind, dem dringenden Bedürfnisse gemäss, die 
grössten Anstrengungen gemacht worden, diesem Ziele näher zu kommen. 
Die Uebelstände und Unbequemlichkeiten, welche in dem Gebrauch 
der Hadern zur Papierfabrikation beruhen, bestehen im Wesentlichen 
in Folgendem: 
Es ist bereits seit Jahren ein entschiedener Mangel an diesem 
Material einwfi'eten, denn die Menge der Hadern wächst erfahrungs- 
mässig nicht in dem Maasse der Zunahme der Bevölkerung und dem, 
der steigenden Cultur gemäss, erhöhten Consum an Papier. Die Lumpen 
sind deshalb wesentlich theurer geworden. Es sind die mittleren 
Qualitäten derselben innerhalb des letzten Jahres im Preise um 1 bis 
l'A Thlr. gestiegen, wogegen eine dem entsprechende Steigerung des 
. Werthes des Papieres nicht stattgefunden hat. 
Da mit der Vertheuerung eines Artikels erfahrungsmässig dessen 
V erschlechterung verbunden und das Bestreben der Händler darauf gerich 
tet ist, dessen Gewicht durch allerlei weniger werthvolle Zusätze zu ver 
mehren, so ist im Allgemeinen die Qualität der Hadern zurückgegangen. 
Die Nachfrage nach Hadern ist jetzt im Auslande wesentlich grösser 
geworden, als sie früher war. Es werden bedeutende Quantitäten nach 
England und nach Amerika exportirt, und zwar gehen namentlich dann 
sein giosse Mengen davon nach den genannten Ländern, wenn in einem 
Jahre das Espartogras schlecht gerathen ist. Die Aufhebung des 
Ausfuhrzolles für Lumpen begünstigt deren Export aus Deutschland. 
Zur Zeit werden von den deutschen Papierfabrikanton grosse 
Mengen von Lumpen aus Russland eingeführt; wenn aber die Papier 
industrie dieses Landes mehr an Umfang gewinnt, so ist zu befürchten, 
dass von dorther geringere Quantitäten dieses Rohstoffes nach Deutsch 
land kommen werden.
	        
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