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Full text: Papier-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 7

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Gruppe XI. Papier - Industrie. 
b. Strohstoff. 
Das Verfahren zur Bereitung reiner, isolirter Faser aus Stroh ist 
gegenwärtig mehr ausgebildet, als die Methode der Gewinnung der 
sogenannten Holzcellulose. Der Grund hierfür ist der, dass die in dem 
Stroh enthaltenen Faserstoffe von den sie umschliessenden Nebenbestand- 
theilen leichter zu trennen sind, als die Holzfasern von den ihrigen. 
Die Wichtigkeit, welche die Strohstofffabrikation in neuerer Zeit 
erlangt hat, rechtfertigt wohl das Eingehen auf die Geschichte der 
Entstehung und der Ausbildung derselben. 
Der Mangel an Material zur Papierbereitung hat sich bereits im 
vorigen Jahrhundert entschieden fühlbar gemacht und zu einer Reihe 
von Versuchen Anlass gegeben, auch andere Materialien als die Hadern 
zur Papierfabrikation heranzuziehen, um den in ihnen enthaltenen 
Faserstoff für dieses Gewerbe nutzbar zu machen. 
Zu diesen Versuchen zählen die höchst verdienstlichen Arbeiten 
des Pastors Schaffer zu Regensburg, welche in einem mit Mustern 
reichlich ausgestatteten, im Jahre 1765 erschienenen Werke veröffent 
licht worden sind. 
.Nachdem es Schaffer gelungen war, aus einer grösseren Anzahl 
faserreicher Pflanzentheile Papierstoff zu bereiten, machte er die glück 
liche Beobachtung, dass selbst aus Stroh Papier sich erzeugen lasse, 
namentlich wenn es vorher mit Kalk behandelt wird, und sprach die 
Ansicht aus, die wir des historischen Interesses halber mittheilen x ): 
dass wohl nichts im Pflanzenreiche sein möchte, was nicht eine Art 
Papier gäbe. 
Trotz der Beobachtungen Schäffer’s ist die Fabrikation von 
Strohpapier in Deutschland, Frankreich und England erst wesentlich 
später in Betrieb gekommen. In Oesterreich erhielt Estler 2 ) 1815 
ein Patent auf ein verbessertes Verfahren der Fabrikation desselben, 
welches im Wesentlichen in der vorbereitenden Behandlung des Strohes 
durch Kochen desselben mit kaustischer Lauge und darauf folgendem 
Bleichen dieser Masse mit Chlor besteht. 
Der Erfolg der früher angewendeten Methoden scheint im All 
gemeinen kein günstiger gewesen zu sein: das Fabrikat konnte wohl 
die Concurrenz mit den gewöhnlichen Papieren nicht bestehen, und 
manche Fabriken stellten deshalb den Betrieb wieder ein. 
Einen neuen Impuls hat diesem Industriezweige C. Piette gegeben, 
dessen verdienstliches Werk über Papierfabrikation zuerst im Jahre 
1838 erschien. Er hat insbesondere durch sehr sorgfältige Studien 
b Versuche, ohne Lumpen Papier zu machen, von Schaffer. Regens 
burg 1765. Bd. II, S. 25. — 2 ) Jahrbücher des polyt. Instituts. Bd. ^9, S. 220.
	        
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