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Gruppe XI.
Papier - Industrie.
Proeesse ab. Um die durch eine hohe Dampfspannung leicht herbei
geführten Gefahren zu beseitigen, wird das geschnittene Stroh zunächst
in einem offenen, mit einem Doppelboden versehenen Kochkessel mit
reinem Wasser ausgekocht, alsdann nach Beseitigung der Flüssigkeit
in demselben Apparate mit Natronlauge getränkt und schliesslich mit
gespannten Wasserdämpfen erhitzt, welche aus vielen am Boden des
Kochers angebrachte Heizrohren ausströmen und das Stroh frei durch
dringen. Das längere Zeit erhitzte Product wird dann mit Chlorkalk
gebleicht.— Ob derselbe Effect wie bei Mollier erreicht wird, dürfte
zweifelhaft sein.
Colleyer x ) erhielt unter dem 2.März 1859 in England ein Patent
auf ein im Principe dem Mellier’schen ähnliches Verfahren, darin
bestehend, dass das Stroh, nachdem es zuvor mit Wasser eingeweicht
worden, mittelst Quetschwalzen behufs möglichster Freilegung des Faser
stoffes zermalmt wird, wodurch die Lauge besser in das Innere des
Strohes dringen soll. Die so vorbereitete Masse wird nun, von einem
siebartig durchlöcherten Behälter umschlossen, in einen Siedekessel ge
bracht und dort unter starkem Druck zwei bis drei Stunden lang
ausgekocht. Das Product wird schliesslich mit den bekannten Bleich
mitteln behandelt.
Reissig 2 ) beschreibt ein Verfahren, welches gleichfalls dem Mel
lier’schen ähnlich ist. Das zerschnittene, durch eine Art Spreumühle
von den schweren, die Knoten enthaltenen, Abschnitten befreite Stroh
wird zuerst behufs Entfernung der verhältnissmässig leicht löslichen
Bestandtheile der Halme mit Kalkwasser ausgekocht und alsdann, nach
Entfernung der stark gefärbten Flüssigkeit, in geschlossenen Behältern
mit Aetzlauge während mehrerer Stunden unter Dampfdruck behandelt.
Das Erzeugniss wird schliesslich in einer Stoffmühle ausgewaschen und
gebleicht. — Auch nach Reissig’s Beobachtungen begünstigt eine
höhere Temperatur den Lösungsprocess der incrustirenden, namentlich
der kieselsäurereichen Beistoffe des Strohes und zwar üben bei höherer
Temperatur schwächere Laugen denselben Effect wie sonst stärkere aus.
Der in Belgien unter dem 23. Januar 1804 patentirte Process von
Tait, Holbrook & Taton 8 ) kommt darauf hinaus, dass das in 18 bis
20 mm lange Stücke zerschnittene Stroh mittelst Walzen zerquetscht,
abgesiebt, alsdann zuerst mit reinem Wasser, und nach Entfernung der
starkfarbigen Brühe während fünf bis sechs Stunden mit starker Alkali
lauge gekocht und hierauf mit angesäuerter Chlorkalklösung behandelt
wird. Nach erfolgter Chlorung wird der Stoff dann nochmals, aber
mit verdünnterer Lauge erhitzt.
1 ) Bayer. Kunst- u. Gewerbebit. 1861, S. 504. — 2 ) Dingi&r’s Journal,
Bll. 154, S. 309. — s ) G6nie ind. V. 30, S. 45.