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Gruppe XL Papier-Industrie.
vollständige Lösung dieser Aufgabe eine sein- erhebliche industrielle
11 agweite. Es sind deshalb in der letzten Zeit viele Versuche, welche
oft grosse Opfer erforderten, angestellt, es sind sehr grosse Anstren
gungen gemacht worden, um derartige Fabrikationsverfahreu auszu
bilden, welche zwar ihrem Principe nach bereits früher bekannt waren,
deren Durchführung im Grossen, deren Einführung in die Technik
indessen früher auf nicht zu beseitigende praktische Schwierigkeiten
gestossen ist.
Ehe auf die Beschreibung der in neuerer Zeit angewendeten Fa
brikationsverfahren zu dem genannten Zwecke eingegangen wird, soll
wegen des grossen industriellen Interesses dieses Gegenstandes der
Entwickelungsgang desselben kurz dargelegt werden.
Als die Basis dieses Verfahrens ist der seit altersher zur Bereitung
von Papierstoff aus Borke und ähnlichen faserreichen Pflanzentheilen
angewendete, in der Zerstörung der leichter veränderlichen Beistoffe
durch die Vermoderung oder Verrottung bestehende Process anzusehen.
Um ein gleiches Resultat mit dem festen, harten Holze zu erhalten,
aus dem die Beistoffe schwieriger zu trennen sind, und namentlich um
die Zeitdauer der Reaction abzukürzen, müssen stark wirkende Agentien
angewendet und der Process überdies durchWärme unterstützt werden.
Zu dem Ende hat Brandt 1 ) 1828 vorgeschlagen,mürbes gefaultes
Holz mit schwacher Natronlauge zu imbibiren, die getränkte Masse
in der Sonne liegen zu lassen, und dann in einem Holländer zu Papier
stoff zu mahlen.
Wooster & Ilollmes 2 ) schlugen 1830 vor, Holzsplitter 8 bis 10
Stunden lang mit Soda oder Kalk zu kochen, sie sodann auf gewöhn
liche Weise zu verarbeiten.
Montgolfier 3 ) beschreibt ein 1838 in Frankreich patentirtes
Verfahren zur Bereitung von Papierstoff aus Holz, wonach letzteres
mechanisch zerfasert, in Kalkmilch eingeweicht und dann unter Druck
mit kaustischer Alkalilauge während längerer Zeit ausgekocht wird. —
Soviel dem Verfasser bekannt, ist dieses der erste Vorschlag, das Holz
mit Laugen unter Dampfdruck zu behandeln; es ist das Analogon des
M e 11 i e r ’ sehen Strohkoch Verfahrens.
Aehnlich ist das Verfahren von Moinier und Legaux 4 ), welches
1839 in Frankreich patentirt wurde. Das Holz wird- mit einer rasch
lotirenden, mit Messern besetzten Trommel zerkleinert, sodann mit
einer stark alkalischen Seifenlauge unter einem Drucke von 3 bis 4
Atmosphären ausgekocht. Durch Einweichen in Kalk . oder Alkali,
eventuell unter Zusatz von Borsäure, soll das Holz, wenn nöthig, zu
dem erwähnten Processe präparirt werden.
!) Brev. d’inv. T. 26, p. 46. — 2 ) Eev. iud. T. 23, p. 25. — 3) Brev .
d’inv. T. 67, p. 15. — 4 ) Brev. d’inv. T. 52, p. 43.'