MAK

Full text: Papier-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 7

776 
Gruppe XI. Papier - Industrie. 
stoff zuerst mit verdünnter Sodalösung getränkt und sodann in unge 
säuertes Wasser gebracht wird. Die im Innern der Holzsubstanz ent 
bundene Kohlensäure bewirkt eine Sprengung und Zertheilung der 
Fasermassen. 
Ein auf der Extraction des Holzes vermittelst Harz auflösender 
Agentien beruhendes Verfahren hat in neuester Zeit Adamson 1 ) an 
gegeben. 
Das zerkleinerte Holz wird bei dieser Procedur in einem mit einem 
Siebboden versehenen, geschlossenen Cylinder zuerst behufs Erweichung 
gedämpft, sodann mit Benzin oder ähnlichen Kohlenwasserstoffen in 
der Hitze behandelt. 
Charles Watt und Ilugh Burgess 2 ) erhielten am 19. August 
1853 in England ein Patent auf ein Verfahren zur Gewinnung von 
Papierstoff aus zerkleinertem Holz, auch aus Holzabfällen, bei welchem 
zur Isolirung der Faser wiederum stark erhitzte Laugen angewendet 
werden. 
Die in Manayunts bei Philadelphia angelegte umfangreiche Fabrik 
von Jessop & Moore arbeitete nach diesem Verfahren. 
Obgleich dasselbe während längerer Zeit nicht den gehofften gün 
stigen Erfolg hatte, denn das Fabrikat wurde zu theuer — was wohl 
vorwiegend in der Mangelhaftigkeit der Holzzerkleinerungsvorrich 
tungen, der Kocher und der Wiedergewinnungsmethoden der Alkalien 
aus den Kohlungen beruhen mochte —, so hat doch durch diesen im 
Grossen ausgeführten Betrieb der Gewinnungsprocess der Cellulose 
einen Eingang in die Praxis gefunden. Es handelte'sich nunmehr darum, 
manche beim Fabrikationsbetriebe erkannte Mängel zu beseitigen, umdie- 
sen im Grossen als durchführbar erwiesenen Process rentabel zu machen. 
Seitdem haben sich Viele mit diesem Gegenstände befasst, und 
mehrfach sind Patente, namentlich in England, auf Verfahren zur Her 
stellung von Cellulose ertheilt worden. Es gaben viele Personen vor, 
im Besitze einfacher, für die Praxis geeigneter Fabrikationsmethoden 
zu sein; sie präsentirten kleine, wohl im Laboratorium bereitete, nicht 
aber fabrikmässig gewonnene Muster von Holzcellulose und brachten, 
da ihre Leistungen ihren Zusicherungen und Anpreisungen keineswegs 
entsprachen, die ganze Sache in Misscredit. 
In der technischen Literatur finden sich mehrfach Angaben über 
die Leistungsfähigkeit gewisser Verfahrungsweisen, deren genauere 
Darlegung man jedoch vermisst, was z. B. von den Mittheilungen über 
Methoden vonUngerer, Tessie duMotay, Fyfe, Broad undPrinz 
gilt 3 ). Eingehender sind die von Keegan und von Sinclair ange 
wendeten Proceduren beschrieben worden. 
*) Bayr. Kunst- u. Gewrbbl. 1873, S. 146. — 2 ) Specif. f. 1853, Nr. 1942. 
— s ) Wagner’s Jahresber. Bd. 18, S. 733.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.