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Full text: Papier-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 7

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Gruppe XL Papier-Industrie. 
Die englischen Papiere, sowohl Zeichnen- als auch Schreibpapiere, 
waren mit animalischem Leime versehen. Die vortreffliche Beschaffen 
heit der in anderen Ländern mit sogenannten vegetabilischen Leimen 
gedichteten Papiere erweist, dass auch ein allen Ansprüchen genügendes 
Fabrikat mittelst des nunmehr allgemeiner angewendeten vegetabilischen 
Leimes sich produciren lässt. 
Die zur Herstellung von Banknoten und Werthpapieren bestimmten 
Handpapiere waren zum Theil ganz vortrefflich gearbeitet; sie ent 
halten meistens sehr schwierig nachahmbare, auch mehrfarbige Wasser 
zeichen. Selbst mit der Maschine werden ähnliche Fabrikate hergestellt, 
die jetzt mehrfach zu Handlungsbüchern und als Zeichnenpapiere Anwen 
dung finden. 
Mehrere Producenten feinerer Papiergattungen befassen sich auch 
mit dem Anbringen sogenannter Wasserzeichen und verschiedenartiger 
Lineatur vermittelst der Satinirmasehinen. 
Auch zu den Luxuspapieren gehörende Fabrikate werden direct 
von mehreren Papierfabrikanten geliefert. 
Papiere von mittlerer oder mehr ordinärer Qualität, gewöhnliche 
Schreib-, Druck- und farbige Papiere, welche ihrer Bestimmung gemäss 
nicht den Charakter feiner Papiergattungen haben und Zusätze von 
30 bis 70 Proc. mechanischen Holzstoffes enthalten, waren zum Theil 
gleichfalls gut fabricirt. So enthielt z. B. das in der Ausstellung be 
druckte Papier der „Neuen freien Presse“ gegen 70 Proc. naturweissen 
Holzstoffes, und obgleich die Druckmaschinen mit grosser Geschwindig 
keit arbeiten, so resultiren doch tadellose Drucke. Es nehmen diese 
Papiere die Schwärze sehr leicht auf und haben noch einen genügenden 
Grad von Festigkeit, um die unvermeidlich starke Spannung in der 
Maschine, ohne zu zerreissen, zu ertragen. 
Die grosse Zahl der ausgestellten Packpapiere, welche vielfach aus 
naturfarbiger Strohmasse gefertigt waren, hatten naturgemäss nicht 
die Festigkeit der aus Lumpen früher hergestellten Fabrikate dieser 
Gattung. Mit Rücksicht auf ihre Bestimmung und den sehr niedrigen 
Preis können dieselben, obgleich sie, wie schon bemerkt, spröde und 
demgemäss wenig haltbar sind, als marktfähige Fabrikate bezeichnet 
werden. 
Eine sehr ausgedehnte Anwendung hat in neuerer Zeit das Papier 
als Material zur Herstellung sogenannter Papierwäsche, als: Kragen, 
Chemisettes, Manchetten etc., gefunden, und es hat sich aus der Er 
zeugung derselben ein namhafter Industriezweig entwickelt, denn grosse 
Etablissements beschäftigen sich mit der Herstellung dieser Artikel. 
Die Fabrikate sind wesentlich vervollkommnet worden, und namentlich 
ist es gelungen, denselben durch Pressung das Ansehen von Geweben 
zu geben, sie auch in einer Weise zu appretiren, dass sie den Zeug 
fabrikaten täuschend ähnlich sehen.
	        
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