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Section II. Baumwollenwaaren.
Die Gewebe werden auf Handstüblen gearbeitet. Auch besteben
sie lediglich aus ganz billigen meist buntgewebten Artikeln, welche zur
Bekleidung der Neger dienen und zu denen besonders die in Brasilien
gewonnene Baumwolle benutzt wird. Ein aus der gelben Baumwolle
gewebter Stoff, welcher von der Firma Jose Antonio de Araujo in
Filgueiras ausgestellt war, hat von der Jury eine günstige Beurtheilung
gefunden, da derselbe für die dortigen Verhältnisse sich als sehr prak
tisch erwies. Auch die Senegaltuche verdienen als gut und dauerhaft
erwähnt zu werden.
England. England, das Mutterland der Baumwollindustrie, behaup
tet in derselben noch immer, was Ausdehnung betrifft, den ersten Rang,
obgleich ihm der Fortschritt anderer Länder in vielen Artikeln eine
beträchtliche Nebenbuhlerschaft geschaffen hat. Wenngleich die Kohle,
bisher der Hauptnerv der englischen Industrie, auch dort bedeutend
theurer geworden ist, so hat doch England gegen den Continent noch
so viele und grosse Vortheile voraus, dass ihm der Welthandel und
ganz besonders in den Bauniwollenerzeugnissen nicht so schnell wird
streitig gemacht werden können. Die englische, weitaus mächtigste
Rhederei, welche das Mutterland mit den grossen Colonien verbindet,
den grossen Import der Baumwolle aus den Häfen aller Welttheile ver
mittelt und die fertigen Waaren mit den geringsten Kosten ihren
Bestimmungsorten zuführt; sodann die Nähe des grössten Baumwoll-
marktes bei den Manufacturbezirken, ferner die Canäle, welche neben
dem ausgedehntesten Eisenbahnnetze das Land nach allen Richtungen
durchschneiden und den wohlfeilsten Transport gewähren, endlich die
grosse Maschinenindustrie, welche unablässig bestrebt ist, die neuesten
und vollendetsten Maschinen für Spinnerei, Weberei und Druckerei zu
liefern, sind so wichtige Factoren für eine Industrie, deren Erzeugungs
kosten sich möglichst niedrig stellen müssen, dass durch alles dies
Englands Uebergewicht fest begründet ist.
Wir sehen daher auch die Spinnerei in einer fortwährenden Ver-
grösserung begriffen, obwohl ihr nicht unbedeutende Mäikte, wie
Deutschland, Oesterreich, Italien und Nordamerika, mehr und mehr ver
loren gingen.
Die Zahl der Spindeln, welche im Jahre 1867 auf circa 33 Millionen
angegeben wurden, wird jetzt auf 39 1 / 2 Millionen geschätzt, dieselben
liefern ein Quantum von 1700 bis 1800 Millionen Zollpfund Garne bis
zu den feinsten Nummern. Die nunmehr vollzogene Einführung dei
Selfactor-Spinnmaschinen statt des vor sechs Jahren noch vielfach ver
breiteten Halbselfactors oder Handstuhles, sowie die Verbesserungen die
ser und der Vorbereitungsmaschinen hat eine sehr bedeutende Er-
sparniss von Händen in der Spinnerei ermöglicht. Gut eingerichtete
Spinnereien in gewöhnlichen Garnnummern bedürfen gegenwärtig nicht