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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

510 Gruppe Y. Textil- und Bekleidungs- Industrie. 
führung vorgelegt hatte. Nicht minder hervorragend ist die Schweiz in 
der Buntweberei, zu welcher man sich dort fast ausschliesslich der mecha 
nischen Webstühle bedient. Dieser Industriezweig war von einer gros 
sen Anzahl von Ausstellern auf das Würdigste vertreten und zeichnete 
sich nicht allein durch eine sorgfältige Ausführung, gute Gewebe und 
schöne Farben, sondern auch durch guten Geschmack aus. Es waren 
Artikel für den Bedarf aller Länder ausgestellt, in fast allen Qualitä 
ten und Preisen, man sah Exportartikel für die Türkei, Griechenland, 
Indien, Afrika und Südamerika. 
Auch die sogenannten „Sarongs“, eine Nachahmung der indischen 
Gewebe, bei welchen es hauptsächlich darauf ankommt, sie möglichst 
getreu mit allen ihren Webe- und Druckfehlern herzustellen und welche 
einen grossen Exportartikel bilden, fehlten nicht. 
Durch billige Herstellung zeichnen sich J. Heit z & Co. in 
Münchweiler aus. Auch die Weberei der gemischten Stoffe, der Waa- 
ren aus Baumwolle in Verbindung mit Seide, Wolle, Leinen oder Me 
tallfäden ist in der Schweiz sehr bedeutend. Um die Bunt- und ge 
mischte Weberei hat die Firma Matthias Naef in Niedernzwyl ein 
ganz hervorragendes Verdienst. Sie war die erste, welche anfangs 
mit den grössten Schwierigkeiten und Opfern aber mit Beharrlichkeit 
diese Industrie, welche jetzt die glänzendsten Resultate für den ganzen 
Bezirk ergiebt, in der Schweiz einführte und ihre Fabrikate zählen auch 
noch jetzt unstreitig zu den besten. Sowohl ihre rein baumwollenen 
bunten Gewebe, als die mit Metallfäden oder Seide gemischten, erreg 
ten durch ihre vorzügliche Herstellung besondere Aufmerksamkeit. 
Auch J.Raschle&Co. inW attwyl hatten ausgezeichnete bunte gewebte 
Waaren ausgestellt. 
Die Fabrikation von Rock- und Hosehzeugstoffen, welche grössten- 
theils für den Export nach der Levante, Afrika und Indien bestimmt 
sind, ist gleichfalls sehr umfangreich, obgleich sie sich grösstentheils 
auf billige, mithin ordinäre Waaren für den Bedarf dieser Länder be 
schränkt. Diese Artikel werden hier zu einem so niedrigen Preise 
erzeugt, dass dadurch die Concui’renz anderer Länder fast ausgeschlos 
sen ist. 
Ferner ist von Bedeutung die Piqueweberei zu Bettüberwürfen 
und Tischdecken, sowie die Fabrikation von fagonnirten Buntartikeln 
für den Export. Auch die mechaniehe Zwirnerei für Nähgarn hat 
nicht unwesentliche Fortschritte gemacht, wenn sie sich auch noch 
nicht auf gleicher Höhe mit den Leistungen anderer Länder befindet; 
mit viel mehr Erfolg legen sich die Schweizer auf die doublirten und 
gezwirnten Garne für die Stickerei. Die Türkischrothfärberei in 
Garnen stand in der Schweiz immer sehr hoch und leistet besonders in 
Stoffen Unübertroffenes. Sehr schön gefärbte Garne wurden vorgelegt 
von Brunnschweiler Wittwe in Hauptweil, Gebrüder Leumann
	        
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