Section II. Baumwollenwaaren.
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Reichthum an Metallen und Brennstoffen sind die wichtigsten Factoren
für ein ganzes System lebensfähiger Gewerbe. Alle diese Vortheile hat
Belgien zu benutzen verstanden und fast alle grossen Industriezweige
zu tüchtiger Ausbildung gebracht. Da die Bevölkerung des Landes
nicht gross genug ist, um die vielen Erzeugnisse selbst eonsnmiren zu
können, so ist Exportgeschäft in grossem Maassstab nöthig und das
Land weiss diesem Bedürfniss allseitig zu genügen.
Auch die Baumwollindustrie hat es zu grosser Ausdehnung und
hoher Vollendung gebracht. Die Zahl der Spindeln wird auf circa
650 000 angegeben. Der Hauptsitz der Baum Wollindustrie ist Ost- und
Westflandern, sie wurde in Wien durch drei Collectivausstellungen
vorgeführt:
1. durch die Ausstellung der Baum Wollindustrie in Gent,
2. durch die Ausstellung der Fabrikanten gemischter Gewebe und
3. durch die Ausstellung der Rock- und Hosenzeugstoffe von
Mouseron.
In der ersteren befanden sich die verschiedensten Gespinnste von
Nr. 4 bis 60, unter denen sich besonders die Firmen E. Desmet & Co.
und Parmantier auszeichneten; ferner Gewebe aller Art von den
gewöhnlichen bis zu den allerfeinsten, in glatt, fagonnirt und brochirt.
Ausgezeichnet schöne mechanische bunte Gewebe in hervorragendem
Geschmack, eleganten Farben und Mustern hatten Desmet freres und
J. Dehemptinne zur Ausführung gebracht, während gerippte Stoffe,
Beverteens und Baumwollsammete Baertsoen & Buysse in grösster
Vollkommenheit ausgestellt hatten. Auch die Baumwolldamaste und
sonstige mechanische Jacquardgewebe, namentlich die Tischzeuge mit
einer dem Leinen täuschend ähnlichen Appretur von Ferd. Lousbergs
sind von hervorragender Beschaffenheit. Die Kattunfabrikation Belgiens
war nur durch einen Aussteller vertreten und wenngleich dessen 1 abrikat
gut beurtheilt werden muss, so ist doch kein genügendes Urtheil über
die Leistungen dieser Industrie in Belgien hieraus zu gewinnen. Was
die gemischten Stoffe aus Wolle und Baumwolle auf der Ausstellung
betrifft, so werden dieselben in der Gegend von Courtray gearbeitet und
zeichnen sich durch geschmackvolle Muster und elegante Ausführung
aus. Sie werden zu Damenkleidern benutzt und ihrer Billigkeit wegen
viel exportirt. Die Ausstellung Mouscrons bestand aus rein baum
wollenen und aus baumwollenen mit Leinen oder Wolle gemischten
Waaren, welche zu Rock- und Hosenzeugen benutzt werden. Sie bilden
einen grossen Exportartikel namentlich nach Südamerika, hauptsächlich
Peru und Chili, und machen der Gladbacher Fabrikation eine sehr fühl
bare Concurrenz. Man bedient sich jetzt zu deren Fabrikation fast
ausschliesslich der Kraftstühle, wodurch ihre Herstellung eine billigere
geworden ist. Die Fabrikate von Mouseron sind sehr beliebt und
zeichnen sich durch gute Arbeit und geschmackvolle Muster aus.
Wiener Weltausstellung. I. 33