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Section II. Baumwollwaaren.
Die Ausstellung von Fr. Wolff in Gladbach u. A. giebt jedoch
den Beweis, dass auch unsere Fabrikanten die Bedürfnisse der Zeit
erkennen und der Concurrenz nicht weichen werden. Auch in Langen-
bielau in Schlesien fängt diese Industrie an, sich einzubürgern und
lagen' von dort gleichfalls gute Fabrikate vor. Biber, Kalmuck und
Beaverteen, sowohl gefärbt als bedruckt, werden ebenfalls in und um
Gladbach erzeugt. Dieselben dienen ihrer Billigkeit und Dauerhaftigkeit
wegen hauptsächlich zur Bekleidung der Seeleute und werden vornehm
lich nach den Seeplätzen verkauft.
Fagonnirte weisse baumwollene Waaren als Piques, Dimities, Satins
werden hauptsächlich in dein Königreiche und der I lovinz Sachsen auf
Hand- und mechanischen Stühlen fabricirt. F. A. Mitscherlich in
Eilenburg hat durch hervorragende Fabrikate dieser Art seinen Kuf in
Wien aufs Neue bewährt; auch wurden die Piques von G. F. Beck in
Hohenstein günstig von der Jury beurtheilt. Die Pabrikation von
Tisch- und Bettdecken, sowohl weiss wie farbig, gewinnt ein immer
grösseres Feld und ist der Export dieser Artikel nach überseeischen
Plätzen nicht mehr unbedeutend. Diese Industrie hat vornehmlich in
Württemberg sich ausgebildet und wird meist auf Handstühlen ausgeführt.
Auch in Taschentüchern, Handtüchern und Bettzeugen ist Tüchtiges
geleistet worden; die mechanische Weberei von L. A. Riedmger in
Augsburg hatte gute auf Maschinenstühlen gewebte Bettzeuge aus
gestellt, auch fanden die Bettzeuge von J. Schwarz Söhne in Fulda,
Gebrüder Siegel in Meiningen und Elsas & Co. in Cannstadt gün
stige Beurteilung, dagegen ist die Barchentfabrikation noch weit hinter
der österreichischen zurück.
Die Buntweberei ist auch in Deutschland noch immer ein bedeu
tender Industriezweig, wenngleich sich nicht verkennen lässt, dass sie
mit dem Fortschritte anderer Länder nicht gleichen Schritt gehalten
hat. So hat die Schweiz einen grossen Theil des Exportgeschäfts,
welches Sachsen in diesem Artikel machte, an sich gezogen und lasst
sich nicht leugnen, dass auch Oesterreich uns in dieser Fabrikation
wesentlich voraus ist. Nur einzelne Fabrikanten hatten durch ihre
ausgestellten Waaren gezeigt, dass sie sich noch auf der Höhe der
Industrie befinden; unter ihnen nennen wir Chr. Di eng in Ober-Langen-
bielau, dessen bunte Damastgewebe jedes Lob verdienen, Meyer Kauff-
inann in Tannhausen, dessen Kleiderstoffe sehr schön und geschmack
voll gearbeitet sind, C. F. Neumann jr. in Eylau und H. Grüner in
Ebersbach; gute gemischte Stoffe waren von H. Michaelsen in Bern
stadt ausgestellt.
Bleicherei, Färberei und Appretur haben immer grössere
Anforderungen zu befriedigen, und zeigt auch darin Deutschland seine
zunehmende Leistungsfähigkeit. Unsere weissen und gefärbten Futter
zeuge, Shirtings, Chiffons u. s. w. erfreuen sich eines guten Rufes und