Section III. Leinenwaaren. Gespinnste aus Flachs etc. 531
Die Garnausstellung Oesterreichs war ungemein reichhaltig, nur
erzeugen seine Spinnereien noch nicht die feinen Garne, welche Belgien
und England in -so grosser Vollendung liefern. Unter den österreichi
schen Spinnern stehen ohenan: 0 b e r 1 e i th n e r & C o. in Hannsdorf und in
Halbseith mit schönen und sehr kräftigen Kettgarnen, ,1. Seidl & Co.
in Zamtke und die Wiesenberger Flachsspinnerei.
Eine ganze Reihe von Ausstellungen der billigen Garne, welche
hauptsächlich in Böhmen so massenhaft erzeugt werden, bietet vom
Standpunkte der Technik nicht gerade Hervorragendes, hat aber doch
wegen der Massenproduction ihre Bedeutung. An der Spitze der
böhmischen Spinner steht Johann 1 altis in Trautenau, mit einer
Spinnerei von 43 000 Spindeln, einer der grössten des Continents. Aussei
ihm sind zu nennen: Alois Haase, Gebr. V alzel, Josef Etiich
Söhne, alle in Trautenau, und W. Jerie in Hohenelbe.
Die österreichischen Spinnereien haben durchschnittlich ein gerin
geres Material zu verarbeiten, als z.B. die belgischen, und müssen hiei-
nach beurtheilt werden. Fortschritte in der Spinnerei gründen sich
in Oesterreich namentlich auf Verbesserungen in der Flachscultui und
Flachsbereitung und auf Einführung des englischen Hechelsystems
und dergl. Maschinen, welche von Ob erleithner &0o. zur Erzeugung
guter Kettgarne für die mechanische Weberei mit bestem Erfolge un
ternommen wurde. Für die Hebung der Flachscultur hat Erzherzog
Albrecht’s Etablissement in Kammer Teschen, viel gethan.
Der Werth der jährlichen Production an Flachs und Hanf in
Oesterreich beträgt 38*2 Millionen Gulden ; der Flachsbau wird mit Aus
nahme der Karstländer mehr oder weniger in allen Kronländern auf
einem Raum von 198464*57 Joch, der Hanfbau dagegen nur in einigen
Ländern, wie Galizien, Bukowina u. s. w., auf einem Flächeniaum
von 68 091*99 Joch betrieben. Die durchschnittliche Production an Ge-
spinnststoffen richtet sich in den einzelnen Kronländern theils danach,
ob mehr auf die Erzeugung von Gespinnststoffen als auf jene von
Samen gesehen wird, theils nach der Aufmerksamkeit, die dieser ( ul -
tur überhaupt gewidmet wird. Das grösste Anbauareal für Flachs ist
in Böhmen mit 62 000 Joch, ihm am nächsten Steht Ostgalizien mit
32 000 und Westgalizien mit 30 000 Joch; für Hanf hat Oesterreich
ein Anbauareal von 861*75, Vorarlberg von 324*24 Joch. Das grösste
Erträgniss liefern an Faser Kärnthen mit 13*8 Ctr. und an Samen
Westgalizien mit 16 Metzen pr. Joch. Die Gesammtproduction ist am
grössten an Flachs in Böhmen mit 310 000 Ctr., an Hanf in Ostgalizien
mit 199 044 Ctr., an Leinsamen in Böhmen mit 248 000 Metzen, an
Hanfsamen in Ostgalizien mit 308 416 Metzen. Der Werth für dieFaser-
producte ergiebt die höchste Summe in Böhmen und zwar bei einem
Ansatz von 26 fl. pr. Ctr. Flachs und 17 fl. pr. Ctr. Hanf 8 310 000A.;
der Werth für Samenproducte ist am grössten ebenfalls in Böhmen und
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