MAK

Volltext: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

536 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie. 
Auch in der deutschen Ausstellung bemerkte man mit Freude 
die Mitwirkung der Künstler beim Entwurf der Dessins. Besonders 
hervorragend sind die Leistungen des bedeutenden Hauses Prölss’ 
Söhne in Dresden, denen sich J. Meyer, Dresden, was die Schönheit 
der Dessins und ihre Ausführung anlangt,, würdig zur Seite stellt. 
A. W. Kisker in Bielefeld hatte ein reichhaltiges Sortiment von Ge- 
bild und Damasten gesandt, CarlFaber in Stuttgart undG.Schwarz 
in Kornthal brachten hübsche, theilweise originelle, von bedeutenden 
Künstlern entworfene Dessins und sehr solide, schöne Gewebe. Mit 
Bedauern wurde S. Frankel aus Neustadt, einer der grössten Damast 
fabrikanten des Continents, vermisst. Die Bildwerke von Sorau sind 
von künstlerischem Standpunkte wenig bemerkenswerth, jedoch ihrer 
Billigkeit wegen beliebt. 
Eine englische Damastausstellung von C. Pegler jun. & Co. in 
Leeds zeugte von guten Webereieinrichtungen, muthete jedoch, was die 
Dessins anlangt, einem gebildeten Geschmack oft zu viel zu. 
Frankreichs Bildweberei war durch J. Casse & fils in Lille 
aufs Würdigste vertreten. 
\ on anderen Ländern haben wir nur noch Italien zu erwähnen, 
das in der Bildweberei nicht gerade Bedeutendes leistet, aber einzelne 
seiner Handtücher und dergleichen mit sehr hübschen fransenartigen 
Knüpfarbeiten ziert, die aus der Kette des Gewebes gemacht sind. 
Wir können hier nicht umhin, einige Andeutungen über die kunst 
gewerbliche Seite der Bildweberei, des einzigen Zweiges der Leinen 
weberei, in welchem das Muster eine hervorragende Stelle einnimmt, 
folgen zu lassen, zumal bei allem Streben der Industriellen einen besseren 
Weg einzuschlagen, doch noch Unkenntniss der richtigen Stilgesetze 
vielfach zu herrschen scheint. 
Wir folgen hierbei den trefflichen Ausführungen, die der hochver 
diente Jakob Falke in seiner jedem Gewerbetreibenden nicht genug 
zu empfehlenden „Kunst im Hause“ (Wien 1871), Cap. IX: „Die künst 
lerische Ausstattung von Tisch und Tafel“, gegeben hat: 
„Unsere neuere Leinendamastweberei ist, abgesehen von den bun 
ten sogenannten Kaffeetüchern, deren Verzierung meistens ganz roh 
und ohne künstlerischen Werth ist, von der farbigen Verzierung ihrer 
I abnkate abgegangen. Das eigenthümlich kühle Weiss der Leinwand ist 
in seiner allerdings schätzenswerthen Sauberkeit als einzige Freude 
und Stolz der Hausfrau übrig geblieben, denn die Ornamentation kann 
mit dem Mittel, das ihr zu Gebote steht, nicht zur Geltung kommen. 
Selbst Wappen, Namenszüge und andere Merkzeichen werden nur noch 
weiss eingestickt.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.