•j42 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie.
mit allen Kräften dahin zu wirken, dass der Leinwand ihre beste Eigen-
sc alt nicht durch sorglose, ja man muss sagen gewissenlose Anwendung
der chemischen Mittel geraubt werde, welche bei sorgfältiger Benutzung
so viel zur Forderung der Leinenindustrie beitragen.
Frankreich bietet in dieser Beziehung ein nachahmungswerthes
Beispiel denn es werden dort meist nur für feine Leinwand, Tafel
zeug und dergleichen hohe Weissegrade verlangt, für gröbere Leinwand,
ie sie zu Bettbezügen etc. gebraucht wird, begnügt man sich mit dem
sogenannten „blanc de menage“ und hat dabei den Vortheil viel dauer-
naiterer Leinwand.
Selbstverständlich wollen wir diesem „blanc de menage“ nicht das
Wort reden, soweit es auf unvollkommener Einrichtung und veraltetem
Bleichverfahren der französischen Bleiche beruht. - Die Leistungen
von Gasse in Lille, welcher eigene Bleiche und Appreturanstalt für
seine Bildwaaren hat, verdienen alle Anerkennung und in der Bleiche
und Appretur der Batiste steht Frankreich unübertroffen da.
Belgien ist, was Leinwandbleiche anbelangt, durch Rey aine von
Brussel gut vertreten; im Uebrigen leistet Belgien mehr in der Garn-
bleiche als in der Leinwandbleiche.
In . der russlsche n Abtheilung sind die Leistungen von Hille &
Ditrich in Girardow zu erwähnen, welches Haus in der Bleiche wie
in Spinnerei und Weberei Hervorragendes leistet.
Italien scheint in der Bleiche noch nicht weit vorangeschritten
zu sein, ebenso wenig die übrigen Länder.
Die Fortschritte, welche seit zehn Jahren in der Bleiche der Lein
wand gemacht wurden, beruhen nirgends auf neuen Erfindungen, sondern
überall auf sorgfältigerer Durchführung des namentlich in Irland längst
angewandten Bleichverfahrens. Erfindungen wurden zwar mehrfach
angekundigt und angepriesen, erfahrene Bleicher haben aber bald er-
kannt, dass keiner dieser theilweise interessanten Vorschläge wirklichen
Werth für die Praxis hat.
Die Wäschefabrikation ist seit der Einführung der Näh
maschinen zu einer Grossartigkeit herangewachsen, die wir gern durch
Zahlen dlustnrt hätten, was uns aber nur für die Wäschefabrikation
von Bielefeld möglich ist. — Die französische Wäschefabrikation produ-
cirte nach dem amtlichen Berichte der Pariser Ausstellung von 1867
zu jener Zeit allein an Hemden für 45 bis 50 Millionen Francs- in
diesem Artikel scheinen auch jetzt noch die Pariser Häuser unüber-
troflen dazustehen und tonangebend für die Mode zu sein. Die fran-