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Full text : Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

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Section  III.  Leinenwaaren.  Leinengewebe.
zösische  Wäschefabrikation  war  in  Wien  nicht  reich  vertreten,  doch
war  einer  der  grössten  Fabrikanten,  Hajein  aine,  maison  du  femx,
von  Paris  erschienen,  dessen  Artikel  mustergültig  sind  und  der  auch
mit  England  in  der  Fabrikation  von  Kragen  und  Manschetten  concurrirt.
In  Beziehung  auf  Schönheit  der  Leinwand,  Gleichmässigkeit  des  Schnittes
und  insbesondere  in  Betreff  des  Glättens  der  Kragen  scheint  aber
England  noch  nicht  ganz  erreicht  zu  sein.
Amerika  hatte  die  Ausstellung  mit  schön  gearbeiteter  Wäsche
beschickt,  wir  sind  jedoch  keine  Bewunderer  des  fremdartigen  Glanzes,
welcher  der  amerikanischen  Wäsche  durch  allerlei  Zusätze  zu  der  verwendeten ­
  Stärke  gegeben  wird.  Schöne  Leinwand  bedarf  weder  vieler
Bläue  noch  der  Zusätze  von  Fetten  und  dergleichen  zur  Stärke  und
verliert  ihr  reines  Ansehen  durch  solche  Hilfsmittel.  Englische  Kragen
aus  rein  weisser  Leinwand,  auf  der  Kehrseite  gestärkt  und  auf  der
rechten  oder  Aussenseite  mit  dem  englischen  Polireisen  gebügelt,  sind
mustergültig  für  schöne  Wäsche  und  verdienen  viel  mehr  die  Nachahmung ­
  als  alle  künstlichen  Appreturen.
Aus  Belgien  waren  schöne  Wäscheartikel  von  Th.  de  Bruyeker
&  Co.  in  Brüssel  in  der  Ausstellung;  weitaus  die  reichsten  Collectionen
von  Wäscheartikeln  boten  aber  die  deutschen  und  österreichischen  Abtheilungen. ­
  Die  österreichische  Wäschefabrikation  hat  eine  grosse
Bedeutung  gewonnen  und  die  gewöhnlichsten  Artikel  wie  die  feinsten,
z.  B.  das  Batisthemd  für  500  fl.  von  J.  Prix  in  Wien  sowie  die  kostbaren ­
  Wäscheartikel  der  bekannten  Firma  S.Jaegermayerin  Wien,  geliefert. ­
  Wien  ist  der  Hauptsitz  der  österreichischen  Wäschefabrikation,
wie  Paris  der  Sitz  der  grossen  französischen  Fabrikanten  von  Wäsche
ist.  Dieser  Industriezweig  entwickelt  sich  naturgemäss  zuerst  in  grossen
Städten,  doch  scheint  er  sich  in  Böhmen  jetzt  auch  in  kleineren  Städten
einzubürgern,  wo  sich  die  nöthigen  Arbeitskräfte  finden.  Ungarn
hatte  bemerkenswerthe  Ausstellungen  einiger  Pester  Häuser,  und  die
sichtliche  Blüthe  der  österreichischen  Wäschefabrikation  kann  nicht
verfehlen  den  günstigsten  Einfluss  auf  die  österreichische  Leinenindustrie
zu  üben.  Die  Zahl  der  Hände,  welche  durch  die  österreichische  Wäschefabrikation ­
  Beschäftigung  erhalten,  muss  sehr  gross  sein,  es  stehen  uns
aber  keine  näheren  Angaben  darüber  zu  Gebot,  wie  wir  sie  von  Bielefeld
erhalten  haben,  an  dessen  Wäscheindustrie  nachzuweisen  ist,  welchen
grossen  Werth  dieser  Industriezweig  sowohl  durch  die  lohnende  Ai  beit,
die  er  Tausenden  bietet  ,  als  durch  seine  Rückwirkung  auf  die  Leinenindustrie ­
  besitzt.  Bielefelds  Wäscheindustrie  ist  kaum  20  Jahre  alt,
erst  von  1856  an  kam  sie  durch  intelligente  Arbeiterinnen  in  Aufschwung. ­
  Zuerst  Hausindustrie,  ging  sie  nach  und  nach  mehr  zur
Fabrikindustrie  über  und  an  die  Stelle  der  Nähstuben  traten  grosse
            
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