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Full text : Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

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Section  III.  Leinenwaaren.  Die  Jute-Industrie.
und  wird  namentlich  in  Bengalen  massenhaft  gebaut.  Die  Pflanze  wird
dort  in  ähnlicher  Weise  wie  in  Europa  der  Flachs  und  Hanf  in  jedem
Jahre  neu  ausgesäet,  doch  fordert  die  Zubereitung  des  Jute  durch  Rösteund
  Reinigungsprocesse  zum  Zwecke  des  Verbrauches  weniger  Arbeit
als  die  Flachs-  und  Hanffaser.
Aber  nicht  allein  die  Faser  der  Pflanze  und  deren  holziger  Theil,
der  circa  1  Zoll  starke  Stamm,  sind  von  Werth,  sondern  auch  die
Blätter  derselben  werden  von  den  Eingeborenen  Bengalens  zu  verschiedenen ­
  Zwecken  benutzt  und  namentlich  als  ein  beliebtes  Nahrungsmittel ­
  geschätzt.
Die  Aussaat  erfolgt  im  Monat  April  oder  Mai  und  wird  durch  die
um  diese  Zeit  gewöhnlich  vorherrschende  nasse  Witterung  begünstigt.
Die  Pflanze  gebraucht  circa  100  Tage  von  ihrer  Aussaat  bis  zur  Reife
und  wird  im  Monat  August  geerntet.
Die  Faser  ist  dem  Manillahanf  ähnlich,  in  Farbe  etwas  röthlichbraun,
  nicht  so  grob,  aber  auch  nicht  so  haltbar  wie  erstere;  die  Qualität ­
  variirt  hinsichtlich  Feinheit  und  Haltbarkeit  je  nach  der  Beschaffenheit ­
  des  Bodens  der  verschiedenen  Culturdistricte.
Die  feinste  Qualität  ist  Serajgunge,  dann  folgt  Naraingunge  und
als  geringste  Sorte  Dowrajute.  Die  feinen  Qualitäten  zeichnen  sich
namentlich  durch  eine  helle,  weissgelbliche,  oft  silbergraue  Farbe  und
Länge  aus;  es  kommen  darunter  zuweilen  Fasern  in  einer  Länge  von
14  Fuss  engl.  vor.  Die  ordinären  Gattungen  sind  meist  kurz,  braun
|  von  Farbe  mit  hastigen  Theilen  behaftet  und  haben  ganz  grobe,  lange,
holzartige,  Wurzelenden.
Ein  grosser  Theil  des  in  Bengalen  gebaueten  Jute  wird  seit  unvordenklichen ­
  Zeiten  von  den  Hindus  versponnen  und  verwebt
und  bildet  diese  Industrie  die  hauptsächliche  Beschäftigung  aller  der
volkreichen  Districte  in  Niederbengalen.  Man  findet  sie  bei  allen
Blassen  der  dortigen  Hindubevölkerung,  in  jedem  Hause,  ganz  in  der
Weise,  wie  das  früher  in  Deutschland  volksthümlich  gewesene  Flachsspinnen. ­

Die  Eingeborenen  fertigen  aus  dem  Jute  verschiedene  Gattungen
von  Geweben,  wovon  viele  gefärbt  werden;  einen  Theil  davon  verweben
sie  zu  ihrer  Kleidung,  den  grössten  Theil  aber  zu  Säcken  für  Reis,
Zucker,  Baumwolle  etc.  und  sind  diese  Säcke  unter  dem  Namen:  „Gunny-Bags“
  im  Handel  als  ein  bedeutender  ostindischer  Exportartikel  bekannt.
Nach  Dr.  J.  Forbes  Watson’s  früheren  Ermittelungen  werden
in  Ostindien  circa  6  Millionen  Centner  Jutefaser  producirt,  wovon  1 / 3
zur  Ausfuhr  und  2 /s  zur  Anfertigung  von  „Gunny-Bags“  und  anderen
Geweben  Seitens  der  eingeborenen  Bevölkerung  gelangen.
Seit  der  Zeit,  wo  diese  Ermittelungen  stattgefunden,  hat  die  Production ­
  in  bedeutendem  Maasse  zugenommen,  denn  es  betrug  allein  die
Ausfuhr  von  Jute  aus  Calcutta
Wiener  Weltausstellung.  I.

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