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» Section III. Leinenwaaren. Die Jute-Industrie.
Maassstabe ausgedehnt werden kann, und hat sich in f olge dessen der.
Marktwerth des Rohmaterials schon seit Monaten ganz bedeutend ver
ringert. Eine wohlfeile Beschaffung desselben für die Industrie wird
dieser vor allem Andern die sicherste Basis zu ihrem feineren Ge
deihen sein.
Mit Bezug auf den Handel mit Jute ist zu bemerken, dass der
Rohstoff im Innern durch Händler von den Producenten gekauft, dann
zu Wasser nach Calcutta geführt, dort in sogenannten Bazars durch
eingeborene Makler für europäische Häuser in Calcutta aufgekauft, dann
in Ballen von 300, 350 und 400 Pfund engl, mittelst starker Pressen
verpackt wird und so zur Verschiffung kommt. Fünf solcher Ballen
bilden circa 52 Cubikfuss engl, bei der Bestimmung der Schiffsfracht.
Calcutta ist fast der einzige Hafen für die Juteausfuhr aus Indien und
bildet somit den einzigen überseeischen Markt für den Artikel, der
dort namentlich durch deutsche in Calcutta und London domicilirte
Firmen, dann durch griechische und englische Häuser in den Handel
kommt. Sonst sind London und Liverpool stets die grossen Stapelplätze
für den Artikel gewesen; seit zwei Jahren hat sich indess Dundee selbst
zum hauptsächlichsten Jutemarkt emporgeschwungen, Dank der Energie
seiner Fabrikanten, die auf eigene Rechnung und Gefahr den Rohstoff
von Indien direct bis an ihre Etablissements bringen.
Es kommen alle möglichen Marken und Bezeichnungen des Roh
stoffes im Handel vor, doch haben die bekannten grösseren Firmen ihre
Standardbezeichnungen., die den Maassstab zur Qualitätsbeurtheilung
gewähren und giebt es circa sechs Hauptgattungen:
1) fine'Quality,
2) medium Quality,
3) common Quality,
4) low Quality,
5) Rejections, d. i. ordinärer Ausschuss,
6) Cuttings, d. i. abgeschnittene Wurzelenden,
letztere werden namentlich zur Papierfabrikation verwendet, gehen
aber zum grössten Theil nach Nordamerika, wo solche zu dem Schuss
garne der ordinären Baumwollpacktücher cotton-bagging vei-
sponnen werden.
Was die Zubereitung des Rohstoffes vor Auflage auf die Maschinen
betrifft, so ist diese auf verschiedene Weisen oft versucht worden; man
ist aber immer wieder auf das zuerst angewandte beinahe primitiv
erscheinende Verfahren des Besprengens desselben mit Oel oder Thran
und Wasser zurückgekommen.
Der Verarbeitungsprocess in der Spinnerei und Weberei ist dem
für Werg und Flachs ähnlich. Man spinnt die schweren Nummern bis
Nr. 10 (=60 000 Yards auf20 Pfund engl.) wie Werg und nennt danach
das Gespiunst Jute Tow, die feinen Nummern bis 18 bis 20 (= 60 000