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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

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Gruppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie. 
Es erscheint am Platze, hier zweier Ereignisse zu gedenken, deren 
eines für die gesammte Textilindustrie, das andere speciell für die 
Leinenindustrie von der grössten Wichtigkeit ist, und welche in ihren 
Folgen vielleicht berufen sind, von weittragendstem Einflüsse zu werden. 
Es sind die in Verbindung mit der Ausstellung ins Leben gerufe 
nen internationalen Congresse: „zur Erörterung der Frage einer ein 
heitlichen Garnnumerirung“, und „der Flachsinteressenten,“ deren 
Bestrebungen und Beschlüsse in Kurzem dargestellt werden sollen. 
L Der internationale Congress zur Erörterung 
der Frage einer einheitlichen Garnnumerirung. 
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Wohl auf keinem technischen Gebiete besteht eine solche Verwir 
rung und Verschiedenheit, als in der Numerirung der Garne, d. h. 
der in Zahlen ausgedrückten Bezeichnungen der Stärkegrade der Ge- 
spinnste. Abgesehen davon, dass in dem Princip, nach dem diese Bezeich 
nung stattfindet, keine Uebereinstimmung herrscht, ist auch die Wahl 
der einzelnen Gewichts- und Längeneinheiten eine ausserordentlich 
mannigfache und willkürliche. Man unterscheidet in der Numeri 
rung der Garne zwei Methoden. Die eine nimmt ein bestimmtes Ge 
wicht als constante Grösse an, untersucht wieviel Einheiten einer ge 
wissen Länge auf dieses Gewicht gehen und bezeichnet mit Nro. 1 
diejenige Fadenstärke, bei welcher eine Längeneinheit das Nor- 
malgewicht bildet, während bei Nro. 2,3, 4 u. s. w. zwei, drei, 
vier u. s. w. Längeneinheiten zur Ausfüllung desselben nöthig sind. 
Bei der anderen dient eine bestimmte Längeneinheit als con 
stante Grösse und auf sie wird das veränderliche Gewicht, welches 
verschieden starke Gespinnste wiegen, bezogen, indem Nro. 1 diejenige 
Fadenstärke bezeichnet, bei der die Längeneinheit eine Gewichtsein 
heit wiegt, während bei Nro. 2, 3, 4 u. s. w. die Längeneinheit zwei, 
drei, vier u. s. w. Gewichtseinheiten apsmacht. 
Diese Gewichts- und Längeneinheiten sind nun nicht nur in ver 
schiedenen Ländern, sondern auch in einzelnen Gegenden derselben 
verschiedene, und meistens bei den einzelnen Gespinnsten eigenthüm- 
licher Natur. 
Wir können die Spinnstoffe in zwei Gruppen — in nationale und 
internationale — eintheilen. Die ersteren, deren Vorkommen ein weit 
verbreitetes ist, wurden in den Zeiten der geringeren Entwickelung 
des Handels meistens an den Orten ihrer Production versponnen und 
verwebt; es bildeten sich für sie Numerirsysteme aus, welche sich an 
die heimischen Gewichts- und Längenbezeichnungen anschlossen und
	        
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