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Full text : Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

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Sectioxi  III.  Leinenwaaren.  I.  Garnnumerirung.
bei  der  Zähigkeit,  mit  der  man  am  Hergebrachten  —  besonders  wenn
demselben  nationale  Eigenthümlichkeiten  zu  Grunde  liegen  —  hängt,
noch  heute  im  Gebrauch  sind,  trotzdem  Gewicht  und  Längenmaass  in
anderen  Verkehrskreisen  längst  ein  anderes  geworden  ist.  Zu  diesen
Spinnstoffen  gehören  der  Flachs  und  die  Wolle.  So  existiren  für  ersteren
  noch  jetzt  Numerirungsmethoden,  die  nach  schlesischer,  österreichischer, ­
  sächsischer  und  anderen  Ellen  rechnen,  Frankreich  und
England  haben  ihre  besonderen  Methoden,  und  es  würde  schwierig  sein
alle  die  localen  Systeme  aufzuzählen,  welche  in  kleinen  Absatzgebieten
in  Gebrauch  sind.  Noch  schlimmer  steht  es  mit  der  Wolle,  bei  der
sich  gleichfalls  ein  jeder  Markt  seine  eigene  Numerirung  gebildet
hatte.  Und  zwar  war  es  vornehmlich  die  nationale  oder  provinzielle
Tuchfabrikation,  welche  die  zu  ihren  Fabrikaten  erforderliche
selbstgesponnene  Wolle  auf  eigene  Weise  haspelte  und  bezeichnete.
So  haben  wir  für  Streichgarne  die  grösste  Collection  von  Numerirsystemen:
  Wiener,  böhmische,  sächsische,  Berliner,  belgische  Weifen,
Numerirungen  von  Sedan,  Elbeuf  und  neben  diesen  bekanntesten
noch  zahlreiche  andere.  Diesen  nationalen  Spinnstoffen  gegenüber
stehen  die  internationalen,  d.  h.  solche,  deren  Vorkommen  an  gewisse,
zum  Theil  aussereuropäische  Gegenden  gebunden  ist,  die  nur  durch
grössere  Handelsbezüge  dem  weiteren  Kreise  der  fabricirenden  Nationen ­
  zugänglich  gemacht  wurden,  und  deren  Verspinnen  anfangs  den
Hauptvermittlern  des  Handels  oblag.  Hierher  gehört  die  Baumwolle,
die  von  England  aus  ihren  Weg  durch  Europa  machte,  dort  auch
hauptsächlich  versponnen,  den  später  ins  Leben  tretenden  auswärtigen
Spinnereien  die  englische  Numerirung  anzunehmen  für  angemessen  erscheinen ­
  liess.  Neben  ihm  hat  nur  Frankreich  für  diesen  Spinnstoff  eine
nationale  Numerirung,  welche  ihm  das  Streben,  das  metrische  System
durchzuführen,  dictirt  hat.  Es  reiht  sich  ferner  hier  die  Seide  an,
die,  theils  direct  aus  Italien  und  Frankreich,  theils  durch  italienische
und  französische  Vermittelung  aus  Asien  bezogen,  dort  erst  den  ihr
eigenthümlichen  Mulinirprocess  durchmacht  und  daher  in  italienischer
und  französischer  Titrirung  verbreitet  ist.
Dass  heutigen  Tages,  wo  die  Gespinnste  aufgehört  haben  nur  eine
locale  oder  wenigstens  beschränkte  Verbreitung  zu  besitzen,  wo  sie
vielmehr  gleich  jedem  anderen  Handelsartikel  Gegenstand  des  internationalen ­
  Verkehrs  geworden  sind,  diese  Verschiedenheiten  in  der  Numerirung
  äussefst  beschwerlich,  dem  Welthandel  hinderlich  sind,  leuchtet ­
  einem  Jeden  ein.  Unsere  Fabrikanten,  die  Garne  aus  den  verschiedenen ­
  deutschen  Landestheilen,  aus  Belgien,  Frankreich  und  England
beziehen,  erhalten  dieselben  nach  den  verschiedensten  Systemen  gehaspelt, ­
  in  Gewichten  und  Längenmaassen,  die  ihnen  zum  Theil  ganz
fremd,  die  sonst  vollständig  ausser  Gebrauch  sind,  und  haben  die  verwickeltsten
  Rechnungen  und  Vergleichungen  anzustellen,  um  die  ver-
            
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