a. Seide und Seidengespinnste.
Die Wiener Weltausstellung von 1873 durfte sich der reichhaltigsten
Ausstellung von Rohseiden und Seidengespinnsten aller Art
rühmen, welche je zuvor eine internationale Ausstellung zeigte. Nachdem
sich durch allmäliges Verschwinden der Krankheit der Seidenraupe
in Europa einüebergang zu besseren Verhältnissen für diese Artikel
vorbereitete, traten in erster Linie die beiden europäischen Hauptproductionsländer
Italien und Frankreich, welche sich den Vorrang in der Seidenznebt
für die europäische Seidenfabrikation streitig machen, diesmal in einer
nie zuvor gekannten Vollständigkeit mit ihren Leistungen auf. Den übrigen
Seidenbau treibenden europäischen Ländern gesellten sich dann Japan,
China und Ostindien in den reichhaltigsten Collectionen, welche wir jemals
gesehen haben, hinzu. Die Ursachen zu diesen Anstrengungen finden
wir in den folgenden Thatsachcn. Es hatten die schlechteren Seidenernten
seit 1863 nach und nach ein um Vieles geringeres Product in
europäischen Seiden geschaffen; die aussereuropäischen von jener
Krankheit der Seidenraupe nicht betroffenen Länder lieferten, verführt
durch einen sehr erleichterten Absatz in Europa, seit Jahren gemischte
und schlecht verarbeitete Seide. Es trat eine Entartung des theuren
Rohstoffes ein, welche schwere Bedrängniss für die Seidenwaarenfabrikation
schuf und manchen Artikel derselben in Frage stellte. Mit
den besseren Seidenerilten in Europa empfanden nun zunächst die asiatischen
Seidensorten die strengste Verurtheilung und Vernachlässigung
Seitens der Fabrik, und in den europäischen Qualitäten wendete sich
bei grösserer Auswahl der Verbrauch mit Vorliebe denjenigen Proi)
Dieser Bericht ist, abgesehen von wenigen Veränderungen, aus der
Feder des Juror-Vorsitzenden der Section, Herrn Commerzienrath Alexander
Heimendahl in Crefeld, geflossen und von demselben, der Crefelder
Handelskammer gewidmet, auch im Separatabdruck erschienen.