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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

568 Gruppe Y. Textil- und Bekleidungs-Industrie, 
einstmals hohe Bedeutung auf jenem Gebiete hat es indessen zum Theil 
verloren. Während in Italien alle Kräfte sich vereinten, eine so werth 
volle Industrie dem Lande zu erhalten, wandte man sich in Frankreich 
nach wiederholt schlechten Ernten in manchen Districten kleinmüthig 
von der Seidenzucht ab. Man legt die Axt an den Maulbeerbaum, so 
klagten die einsichtigen Industriellen, man wendet sich von einer In 
dustrie ab, die eine Quelle des Nationalwohlstandes war. Zu spät er 
kannte man, dass nur eine jährlich sich wiederholende Importation ge 
sunder fremder Samen in grösserem Maasse allein die Zucht der Seiden 
raupen verbessern könne, statt dessen glaubte man immer noch mit den 
Reproductionen der früher bewährten Ilacen die Besserung bewirken 
zu müssen. Hand in Hand mit einer veredelnden Züchtung der 
Seidenraupe gingen in Italien die Verbesserungen in Spinnerei und 
Zwirnerei, während heute noch der grössere Theil der französischen 
Spinner, mit alten Maschinen arbeitend, auch nur noch vom alten 
Ruhme zehrt. 
Vergeblich hat man gewarnt, heute erst erkennt man an den Vor 
zügen des Nachbars den eigenen Rückschritt. 
Die französische Production in Cocons betrug im Mittel in den 
Jahren 1845 bis 1854 17 578 600 Kg, darunter: 
Im Jahre 1853 allein 
„ „ 1855 . . 
In den Jahren 1856 bis 1860 jährlich 
» „ „ 1861 „ 1865 . . 
Im Jahre 1865 
Seitdem jährlich 
Im Jahre 1872 
20 000 000 Kg, 
12 000 000 „ 
10 000 000 „ 
8 000 000 „ 
5 500 000 „ 
8-bis 10 000 000 
9 870 000 „ 
oder 636 800 Kg Gregen, das ist circa der fünfte Theil der italienischen 
Ernte von 1872. 
Die Ausstellung der französischen Seidenproducenten und Spinner 
zeigte für den gewöhnlichen Beobachter keineswegs jenes von uns ent 
worfene Bild der heutigen Bedeutung dieser Industrie. Auch hier 
hatte die überall thätige Handelskammer in Lyon für die äussere 
Ausstellung gesorgt und das Interesse der Spinner anzufeuern versucht. 
Wir fanden das alte berühmte Haus Louis Blanchon mit seiner 
filature und ouvraison als Vertreter der marque privilegee. Die Häu 
ser Combier freres, Louis Boudon, Arles-Dufoul & Co.,, Fr eres 
Barres, Bonnet, Chabert & Co., Combier Blanchon, Cotte- 
Tiburce, Freres Coudareau, Lascour, Payen u. s. w. mit ihren 
Gregen und gezwirnten Seiden der verschiedensten Gattung, sowie die 
Gregen der Freres Gervais & Co. und Louis Martin & Co. Es 
waren zum Theil vortreffliche Seiden, namentlich sehr schön, gelbe Straffi- 
lati ausgestellt, die aber in vielen Fällen nur als Proben angesehen werden
	        
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