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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

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Section IV. b. Seidenwaaren. 
Nicht an der Geschicklichkeit seiner Fabrikanten und Arbeiter 
kann es liegen, wenn jene Waaren nicht auf dem Weltmärkte concur- 
riren; nur die zu theure Herstellung, bei einem irrationellen Betriebe, 
muss die Veranlassung zu dieser überraschenden Erscheinung sein. Die 
ganze Reihe der Artikel für die Eandbevölkerung in Seidentüchern, 
Stoffen, Westenzeugen, Foulards, Foulardstüchern sind eine ebenso 
interessante Specialität, wie die wirklich ausgezeichneten Leistungen 
auf dem Gebiete der Kirchen- und Möbelstoffe, welche in den Erzeug 
nissen von Giani, Philipp Haas Söhne neben die besten Fabiikate 
der französischen Industrie gestellt werden dürfen. Bei keiner Aus 
stellung in Seidenwaaren empfindet man so unmittelbar die Einwirkung 
von Anstalten, wie sie Wien z. B. in seinem Museum für Kirnst und 
Industrie besitzt, welche sich die Hebung des Kunstgewerbes zu! Auf 
gabe machen, wie bei dieser letzteren Gattung von Seidenfabrikaten. 
Die Ausstellung des Hauses Franz Reichert’s Söhne lieferte 
ferner den Beweis, wie durch Ausdauer und Verfolgung rationeller 
Fabrikprincipien die vortrefflichsten jeder Concurrenz gewachsenen 
Leistungen erzielt werden können. 
Auch die Sammetwaaren dieser Firma, auf Maschinenstühlen gefer 
tigt, sind, so weit dieser Artikel bis jetzt eine Herstellung mit Maschi 
nenstühlen zulässt, sehr bemerkenswerth. Dieselben übertreffen zum 
wenigsten in Seidensammeten die französischen Maschinenstuhlproducte. 
Die schwarzen Waaren der Häuser S. Trebitsch & Sohn, Gebr. Ba 
der, die farbigen Atlasse von Josef Herzig & Co., die Plüsche von 
Seb. Waschka & Söhne verdienen allesLob. Die bekannten vortreff 
lichen Leistungen der alten Firma C. G. Hornbostl & Co., sowie 
Franz Bujatti fanden die gebührende Anerkennung. 
Wenig Vortheilbaftes ist von den in den übrigen Theilen der Mon 
archie und zwar in Böhmen, Schlesien, Tyrol und Mähren bestehenden 
Etablissements zu sagen. Die Bandindustrie Oesterreichs zeigt neben 
vortrefflichen Erzeugnissen wie die von Anton Harpke & Söhne, Josef 
Adensamer & Co.,Carl Hetzer & Söhne, A. Wiesenburg & Söhne 
vieles Mittelgut. Augenscheinlich arbeiten die besseren Fabriken dieses 
Artikels in der bewährten Art der schweizer, deutschen und französi 
schen Etablissements mit mechanischem Betrieb, während ein andeiei 
nicht unerheblicher Thcil der österreichischen Bandfabriken mit nicht 
mechanischem Betriebe wohl weniger der Concurrenz des Auslandes 
gewachsen sein dürfte. 
Die Seidenfärberei Wiens liefert uns schon durch die ausgestellten 
Stoffe der Wiener Fabrik den Beweis eines sehr bedeutenden Fort 
schrittes in den wenigen Jahren seit der letzten allgemeinen Weltaus 
stellung; wir erwähnen gern die Leistungen von L. Frank und Th. 
Brunabend.
	        
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