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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

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Gruppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie, 
Italien. Die Seidenfabrikation Italiens macht Anstrengungen, 
eine seit langen Jahren verlorene Position wieder zu gewinnen. 
Sofern man aus den zur Ausstellung gelangten Seidenwaaren der 
Häuser Nessi fratelli & Barberini, G. Torriani & Puecher, G. 
Bressi & Co., Camozzi & Co., sämmtlich in dem bedeutendsten Fa 
brikort Como, auf die Seidenindustrie daselbst zu schliessen berechtigt 
ist, macht sich dort durch die immer stärker werdende Concurrenz des 
Auslandes dieNothwendigkeit geltend, regelmässigere und besser gear 
beitete Waare als seither zu liefern. Wohl drängt sich dem aufmerk 
samen Beobachter die Frage auf, woher es kommt, dass ein Land, wel 
ches die grösste und beste Production von Rohseiden besitzt, bei allen 
übrigen Vorbedingungen, einer billigen Herstellungsweise bei einer 
intelligenten Arbeiterbevölkerung, in neuerer Zeit eine so untergeord 
nete Stellung in der Seidenstolffabrikatiou einnimmt. 
Indessen zeigen die ausgestellten Stoffe in den verschiedensten 
Qualitäten: Failles, Satins, Lustrines, Poults de soie, Marcelines, sowie 
die Sammete aus Genua und Turin zum Theil vortreffliche Ausführun 
gen und brillante Farben und lassen die wesentlichsten Fortschritte 
erkennen. 
England. Die Zeiten des blühenden Zustandes der englischen 
Seidenfabrikation sind zwar theilweise vorüber, ja selbst auf heimischem 
Boden hat sie in den meisten Artikeln den mächtigen Concurrenten 
anderer Länder weichen müssen; wenn wir indessen ihre Bedeutung 
nach den in Wien ausgestellten Fabrikaten beurtheilen wollten, so würde 
man dieselbe sehr unterschätzen. Die englische Seidenindustrie ist 
noch immer eine sehr bedeutende. Man zählte 1870 in Grossbritannien 
696 Seidenfabriken mit 
1 130 441 Spindeln, 
12 378 Dampfwebstühlen und 
48 124 Arbeitern. 
Macclesfields „Trophäen von Seide“, so bezeichnet die Handels 
kammer daselbst eine Collectivausstellung von Fabrikanten, liefert wahr 
lich für den Kenner der englischen Seidenindustrie kein richtiges Bild 
der dortigen Fabrikationsverhältnisse. Die Manchester Fabrikanten fehl 
ten fast gänzlich, nur einige Londoner Häuser wie Slater, Bucking 
ham & Go., Lloyd, Attree & Smith zeigten Specialitäten in Ilerren- 
modewaaren, Cravattes etc., von denen manche eine überraschende Aehn- 
lichkeit mit den Fabrikaten anderer Länder verriethen. Die rühmlichst 
bekannten Seidenpopelines des Hauses Piin Brothers & Co. dürfen 
wir indessen nicht unerwähnt lassen. 
Coventry’s Bandindustrie, die sich unter den schwierigsten Verhält 
nissen gegen die mächtigsten Concurrenten Frankreichs, Deutschlands
	        
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