Section V. Posamentierarbeiten. Die Spitzen. 595
Kräfte heranzubilden und ihre Fabrikation zu einer durch mechanische
Feinheit wie durch Formenschönheit gleich ausgezeichneten zu erhalten.
Die Spitzenausstellung Frankreichs war, wenn auch nicht so
reichhaltig wie auf der letzten Pariser Ausstellung, doch grossartig
und interessant. Die französischen Fabrikanten zeichnen sich besonders
durch vortreffliche Leistungen in Maschinenspitzen aus. Die französische
Spitzenindustrie ist sehr bedeutend ; sie beschäftigt ungefähr 300 000 Arbeiter
und ist besonders in Alengon (points de France), Chantilly,
Bayeux und Caen (schwarze Seidenspitzen für Shawls, Roben, Volants);
Lille und Arras, Bailleul (Valencienner Spitzen), Mirecourt und in der
Auvergne (Guipures de Puy) zu Hause, während in Calais die baumwollenen
Tülles und seidenen Blonden, in Lyon glatte und gemusterte
seidene Tülles angefertigt werden; desgleichen in Lille, St. Quentin
und Amiens. Die ausgestellten Artikel waren sehr mannigfach und
von hervorragender Güte. Dognin & Co. stellten einen aus feinstem
Cachemirgarn gearbeiteten Shawl von vorzüglicher Feinheit aus. Erwähnenswerth
sind die geschmackvollen Tüllgardinen.
England hatte nur wenig geliefert; zum grössten Theile Maschinenspitzen.
Der Bobbinetstuhl imitirt die echten Brüsseler und Valencienner
Spitzen in täuschendster Weise und giebt dieser Fabrikation
erhöhte Ausdehnung. Aeusserst geschmackvoll war die Ausstellung von
Copestake Moore Crampton & Co. in Nottingham, die schöne
irländische gehäkelte Spitzen und Bedford-Spitzen zeigten.
Auf einer sehr bemerkenswerthen Stufe stellte sich die Spitzenindustrie
Oesterreichs dar. Die Regierung ist bestrebt durch Gründung
von Spitzen- und Zeichenschulen die Handspitzenindustrie, welche
besonders im Erzgebirge sehr bedeutend war, jedoch durch die Concurrenz
mit der Maschinenspitze in Verfall gerathen ist, zu heben und
auszudehnen. Die ausgestellten Erzeugnisse der böhmisch-erzgebirgischen
Point-Spitzeu-Industrie, sowie der von der Erzherzogin Sophie gegründeten
Brüsseler Spitzenschule in Gr^sslitz zeigten schöne Leistungen.
Sehr interessant war eine kleine Ausstellung von Istrien. Gute Erfolge
weisen die Bobbinnet- und Spitzenfabriken in Lettowitz und Heinrichsthal
auf, die verschiedene Spitzensorten und Einsätze in preiswürdigen,
marktgängigen Waaren geliefert hatten. Die in der Maschinenhalle in
Betrieb gewesenen Bobbinetstühle von Ludwig Dam bock und M.
Faber & Co. in Wien veranschaulichten diesen complicirtesten Zweig
der mechanischen Weberei.
Die deutsche Spitzenindustrie ist vorzugsweise i» Sachsen zu
Hause, wo sie einen bedeutenden Factor in der Beschäftigung der weib-38*