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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

596 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie. 
liehen Bevölkerung des Landes bildet. Die Leistungen der sächsischen 
Handspitzenfabrikation, welche durch die billigeren Maschinenspitzen 
sehr gelitten hat, zeigten, dass auch hier dem richtigen Princip: die 
Concurrenz mit der Maschinenspitze zu vermeiden, mehr und mehr 
Rechnung getragen wird. Wenn auch noch weit entfernt sich mit den 
belgischen, ja selbst mit den benachbarten österreichischen Erzeugnissen 
messen zu können, zeigten die sächsischen Spitzen auf der Ausstellung 
doch anerkennenswerthe Stücke, welche die Hoffnung erwecken, dass 
hier mit der Zeit eine ebenbürtige Concurrenz mit den vorgeschritte 
neren Industrieländern sich entwickeln werde. Die feinste Sorte von 
geklöppelten Spitzen, die Sachsen fabricirt, sind die Chantilly-Spitzen, 
welche hauptsächlich in der Gegend von Bärenwalde und Rothenkirchen 
gefertigt werden. Sehr geschmackvoll war dieser Artikel von A. B. 
Wapler in Bärenwalde ausgestellt worden. Weisse Spitzen: Malines, 
Guipures und Yalenciennes waren ebenfalls vertreten. Ausser Spitzen 
werden in Sachsen sowohl in weisser Baumwolle als in schwarzer Seide 
Kragen, Peilerinen, Sonnenschirmbezüge, Schleier und Aehnliehes ge 
klöppelt, welche ausgestellt waren; Wollspitzen, die in den letzten Jahren 
in der Confection eine grosse Rolle gespielt haben, waren nur wenig 
vertreten; mehr die begehrten schwarzen Guipurespitzen. Die umfang 
reichste und die schönsten Erzeugnisse liefernde Ausstellung war die Col- i 
lhctivausstellung der Königl. sächsischen Klöppel- und Spitzen 
schulen, deren von 8- bis 14-jährigen Arbeiterinnen gefertigten Erzeug 
nisse alle Anerkennung verdienen. Mit grossem Danke sind die Bemü 
hungen der sächsischen Regierung um die Organisation und Ausbildung 
dieser Spitzenschulen zu erwähnen, deren eminente socialen und volks 
wirtschaftlichen Yortheile für einen grossen Theil der Bevölkerung des 
Landes immer grössere Würdigung finden werden. Einem von dem 
Inspector C. A. Richter in Schwarzenberg für die Wiener Ausstellung 
verfassten Bericßt über die Zwecke, Organisation, Leitung und Beauf 
sichtigung dieser Klöppelschulen, der sehr interessante Mittheilungen 
enthält, entnehmen wir folgende Details: 
Zur Hebung der Spitzenmanufactur fasste die sächsische Regierung 
den Plan, die einzelnen bestehenden Klöppelschulen zu einer^ allgemei- j 
nen Anstalt unter Aufsicht und Leitung einer gemeinschaftlich Vor 
gesetzten Behörde zu verbinden. Diesem Plane verdankt das für alle 
aus Staatscassen unterstützten Klöppelschulen noch heute gütige, wenn 
auch vielfach abgeänderte und ergänzte Klöppelschulregulativ vom 
Jahre 1836 sein Entstehen. Dem Entwürfe desselben sowie den später 
in Klöppelschulangelegenheiten ergangenen General- und Specialverord 
nungen liegen folgende Anschauungen zu Grunde. 1. Das Uehel, an 
dem die sächsische Spitzenindustrie leidet, wurzelt hauptsächlich darin, 
dass man nicht genugsam gestrebt hat, die technische Ausbildung der 
Arbeiter zu höherer Vollkommenheit zu führen, vielmehr bei dem Alt-
	        
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