416 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie.
Europas ist Italien, dort wiederum die Lombardei; nächst ihm Frankreich.
In Asien sind die vorzüglichsten Länder der Seidenproduction:
die Türkei, Persien, Indien (Bengalen), Japan und China. Ihre Erzeugnisse
sind in Quantität und Qualität sehr von einander verschieden.
Im Durchschnitt stehen die asiatischen Seiden den europäischen an
Werth und Güte nach, besonders in Folge der geringeren Sorgfalt,
welche auf die Zubereitung verwendet wird. Ganz besonders wurde
die Verschlechterung der asiatischen Seiden bemerkbar, als sich Europa
in Folge der Verheerungen, welche die Raupenkrankheit unter den
heimischen Seiden anrichtete, in erhöhetem Maasse dem asiatischen
Producte zuwenden musste. Die Folge hiervon war, dass die europäischen
Fabrikanten nach eingetretener Besserung wieder auf die eigenen
Seiden zurückgingen, wodurch ein bedeutender Preisrückgang der
asiatischen Qualitäten eintrat.
Mit besonderer Anerkennung ist zu erwähnen, dass die Regierung
von Japan, dieses Pioniers unter den asiatischen Staaten, in Rücksicht
auf diesen Umschwung, zur Hebung der Seidencultur zu Jeddo und
Tamyoka zwei Musteretablissements gegründet hat, welche, unter der
Leitung bewährter Männer stehend, eine Reorganisation der japanischen
Seiden wohl mit Erfolg anstreben.
Zur Beurtheilung der Grossartigkeit des Umsatzes in Rohseide
dienen folgende Zahlen: die Seidentrocknungsanstalten (Conditioniranstalten)
Europas conditionirten im Jahre 1872: 9i/ 2 Mill. Kg Seide
im Werthe von mehr als einer Milliarde Francs. Hiervon sind Grege
für Zwirnereien 30 Proc., gezwirnte Seide für Weberei 70 Proc. Die
Summe vertheilt sich auf die einzelnen Länder wie folgt: Italien 4 000 000,
Frankreich 4 200 000, die Schweiz 662 000, Deutschland 580 000,
Oesterreich 150 599 Kg. Hierbei ist zu bemerken, dass sowohl Deutschland
als auch Oesterreich und die Schweiz grosse Quantitäten Seide beziehen,
die in Frankreich und Italien conditionirt sind, so dass die angeführten
Zahlen mit dem Gebrauch jener Länder nicht ganz identisch sind.
In obigem Quantum sind die aus Asien importirten Seiden mit inbegriffen,
die zu mehr als einem Drittheile daran participiren.
Die Hauptursache des Schwankens der Seidenpreise bildet die
häufig verheerend anftretende, den Erfolg ganzer Ernten in Frage
stellende Raupenkrankheit, zu deren Beseitigung bisher alle Bemühungen
der Wissenschaft und Praxis sich als unzulänglich bewiesen haben.
Dieselbe trat hauptsächlich 1855 in Frankreich auf und verbreitete sich
von dort über alle seidenbauenden Länder Europas. In Folge davon
trat beinahe eine Verdoppelung der Seidenpreise ein, welche noch im
Jahre 1866 fast den höchsten Standpunkt einnahmen. In letzter Zeit
ist ein Nachlassen der Raupenkrankheit eingetreten, und die vorzügliche
Sorgfalt, die besonders in Frankreich und Italien der Behandlung der
Seide gewidmet wird, lässt gegenüber dem häufig verringerten Pro-