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Full text : Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

Secticm  I.  Schafwollenwaaren.  a.  Garne  und  Gewebe  etc.  429
winnen  Hess.  Da  Oesterreich  in  der  Entwickelung  der  Kammgarnspinnereien ­
  noch  zurückgeblieben  ist,  und  England  gar  nicht  vertreten ­
  war,  so  traten  hauptsächlich  die  deutschen  und  französischen
Spinnereien  im  Wettkampf  einander  gegenüber.  Leider  fehlten  von
deutschen  Spinnereien  viele  der  bedeutenderen:  Bietigheim,  Augsburg, ­
  Leipzig,  Eichel  &  Kramer  in  Eisenach  und  Andere;  ebenso
die  grossen  Spinnereien  des  Elsasses,  die  Trapp,  Schmätzer  &  Co.,
Köchlin,  Schwarz,  Hartmann,  Reichardt  und  Andere.  In  Deutschland ­
  beläuft  sich  die  Zahl  der  Kammgarnspindeln  gegenwärtig  auf  circa
450  000,  davon  gehen  im  Eisass  allein  circa  180  000.  Während  der
letzten  Jahre  betrug  die  Zunahme  über  100  000  Spindeln,  von  denen
die  grössere  Hälfte  aus  den  Werkstätten  von  Andre  Köchlin  &  Co.
in  Mühlhausen  hervorging.  Diese  und  andere  Fabriken  des  Elsasses
sind  auch  im  Auslande  durch  die  Vorzüge  ihrer  Kamm-  und  Spinnmaschinen ­
  bekannt  und  stehen  im  Augenblick  unübertroffen  da.  Die
deutschen  Spinnereien  haben  sich  nicht  allein  durch  die  Vergrosserung
ihres  Umsatzes  und  die  Verbesserung  ihrer  Maschinen,  sondern  auch
durch  ihre  vorzügliche  technische  Leitung  eine  hohe  Stellung  erworben.
Sie  sind  mit  Erfolg  bestrebt  gewesen  ein  in  der  Qualität  sich  gleichbleibendes ­
  Garn  zu  schaffen  und  haben  dadurch  den  Fabrikanten  und
der  ganzen  Industrie  die  Vortheile  gesichert,  welche  eine  richtige  Theilung
  der  Arbeit  gewähren  soll.  —  Durch  Gleichmässigkeit  des  Fadens
und  edleres  Material  zeichnete  sich  besonders  J.  C.  Weiss  in  Glücksbrunn ­
  aus,  von  der  Familie  Weiss,  welche  bekanntlich  die  Kammgarnindustrie ­
  in  Deutschland  gegründet  hat.  .  Durch  die  Mannigfaltigkeit ­
  derGespinnste  glänzte  die  grosse  Spinnerei  in  Kaiserslautern;  aus
gröberem  Sortiment  arbeitet  die  Breslauer  Kammgarnspinnerei.
Weiss  &  Söhne  in  Langensalza  hatten  sich  von  der  Bewerbung  ausgeschlossen. ­
  Dieselben  wie  die  sächsische  Kammgarnspinnerei  zu
Harthau  und  die  Berlin-Neuendorfer  Actienspinnerei  lieferten
auch  zweifache  Garne  für  die  sächsische  und  Berliner  Fabrikation;
Petzoldt  &  Ehret  in  Reichenbach  als  Specialität  Kettgarne  und  L.  A.
Tetzner  &  Sohn  in  Schweizerthal  in  Sachsen:  Strick-und  Häkelgarne.
Ein  besonderes  Interesse  boten  die  Gespinnste  von  Ch.  Regelet  &  Co.
in  Bühl  bei  Gebweiler  durch  Reinheit  des  Zugs  und  Pemheit  der
Spinnnummern.  .  Tr
Sorgfältige  Kämmerei  ist  an  deii  französischen  Kammgarngespinnsten
  zu  rühmen.  Die  Ausstellung  von  gekämmtem  Zug  von  Is  aac
Holden  &  fils  in  Rheims  lieferte  ein  Zeugniss  dafür,  wie  weit  man  es
in  dieser  Specialität  in  Frankreich  gebracht  hat.  Die  Kammerei  (peignage)
  wird  in  Frankreich  durchweg  sowohl  in  Rheims  wie  in  Roubaix
als  eine  getrennte  Fabrikation  behandelt.  Viele  Spinner  lassen  in  den
meist  grossartig  eingerichteten  Kämmereien  die  ihnen  zugehörige  Wolle
kämmen  und  spinnen  sie  auf  ihren  Maschinen  oder  sie  kaufen  den  schon
            
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