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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

438 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie. 
In Asch (Böhmen) ist der Sitz der österreichischen Nouveautes in 
Kleiderstoffen und ist hier vor Allem die Firma Geipel & Jäger zu 
nennen. Sie zeigte ein in Farben und Mustern reiches Sortiment von 
Stoffen, aus seidener und baumwollener Kette mit Woll- und Baum- 
woll-Emschlag und fabrieirt in diesen Artikeln circa 140 000 Stück. 
Interessant war die von einer bedeutenden Production zeugende 
Ausstellung Russlands. Namentlich waren die halbwollenen Glanz 
stoffe aus Baumwollkette mit Schuss von englischem Weftgarn stark ver 
treten. Die Fabriken liegen meist in Moskau, einige auch in Pobianitza 
und Lodz und fertigen zugleich hübsche halbseidene und seidene Gaze, 
wie J. Emelj.auoff & W. Rochefort in Moskau und Ed. Hentschel 
& B. Crouche in Lodz. Die halbwollenen und wollenen Artikel sind 
zum Theil noch Handwaare und auf billige Fabrikation berechnet. 
Hervorragend sind hierin A. Schräder in Moskau (Weberei, Färberei 
und Appretur), und für halb- wie ganzwollene Stoffe, Orleans, Ripse und 
Cachemirs: E. Armand & fils, die auf 470 mechanischen Webstühlen 
im Lohn arbeiten lassen und ausserdem circa 90 000 Stück fremder 
Waaren appretiren und färben. Der Katalog giebt einen Umschlag 
von 3 500 000 Rubeln an. Die ausgestellten Waaren zeigten hohe 
Vervollkommnung in Farben und Appretur. 
Es walten in dieser Fabrikation wie in anderen in Russland eigen - 
thümliche Verhältnisse. Augenblicklich sollen, durch den Druck der 
Concurrenz veranlasst, einzelne der grossen'Fabrikanten sich mehr der 
Halbwolle und Wolle ab-und der Seide und Halbseide zugewandt haben. 
Die Verbindung grosser Stapelartikel in Wolle mit feinen Luxusartikeln 
in Seide in einem Etablissement, wie wir sie hier bei mehreren grossen 
Ausstellern sahen, fand sich bei anderen Nationen nicht vor. 
In Belgien tritt als einzige grosse mechanische Weberei, welche 
einen Theil ihrer Garne seihst spinnt, die Societe anonyme de 
Loth auf. Sie liefert ihrem Lande Stoffe mit Glanzgarn und exportirt 
solche auch in die benachbarten Länder. 
Im Allgemeinen hat die Fabrikation von Kammgarnstoffen einen 
ungeahnten Aufschwung genommen und wird, wenn das Rohmaterial 
in genügender Quantität und richtiger Qualität ihr zur Verfügung 
bleibt, sich fernerhin entwickeln. Von diesen und den damit zusam 
menhängenden Preisverhältnissen hängt es ab, welchen Platz die 
wollenen Stoffe neben den seidenen und baumwollenen einnehmen 
werden. 
Deutschland hat in der Halbwollfabrikation in England, in der 
Ganzwollfabrikation in Frankreich einen gefährlichen Nebenbuhler. 
England ist ausserdem durch seine Maschinenfabrikation günstig ge 
stellt, da es noch immer die Mehrzahl der mechanischen Stühle liefert
	        
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