Section I. Sckafwollwaaren. Die Shawlfabrikation. 439
und man selbst bei der Reparatur auf englische Ersatztheile angewiesen
ist. Die deutsche, speciell die elsässische Industrie fängt an sich auch
hierin durch sorgfältig gearbeitete Stühle, wenn auch noch zu höherem
Preise, Terrain zu erobern; es würde von grösster Wichtigkeit sein,
wenn diese Bestrebungen weitere Ausdehnung gewännen.
Die Shawlfabrikation.
Der Shawl ist orientalischen Ursprungs und bildete bis in die
neueste Zeit ein beliebtes Kleidungsstück des weiblichen Geschlechts.
In den letzten Jahren hat sein Gebrauch ansehnlich nachgelassen, da
die von der Confection gelieferten, geschmackvollen und preiswürdigen
Mäntel, Mantillen und ähnliche Umhängegegenstände mit Vorliebe ge
tragen werden. Immerhin ist aber der Consum von Shawls in man
chen Gesellschaftsclassen und Gegenden noch ein sehr bedeutender.
Die Shawlfabrikation ist vermöge der mannigfachen Variationen,
welche sie in der Wahl des Materials, der Composition der Muster und
Anwendung von technischen Vorrichtungen dem Industriellen gestattet,
eine äusserst interessante, die Tracht eine sehr kleidsame und prak
tische und es ist zu wünschen und zu hoffen, dass sie recht bald wieder
durch erhöhete Nachfrage an Ausdehnung gewänne. Mit Bedauern
muss constatirt werden, dass sie auf der Ausstellung in ziemlich unge
nügender Weise vertreten war, und durchaus nicht so schöne Erzeug
nisse zeigte, wie es früher der Fall war. Der Grund dieser Erschei
nung wird in dem mangelnden Impuls, den die Consumtion dem Arti
kel giebt, zu suchen sein.
Unter den Shawls sind, was Schönheit der Fabrikate und künst
liche Herstellung anbetrifft, an erster Stelle die orientalischen Shawls
zu erwähnen. Dieselben werden seit uralten Zeiten vornehmlich in
Indien und Persien fabricirt und bilden für Europa den ausgesuchtesten
Luxusgegenstand. Die Herstellung geschieht in primitiver Weise auf
einfachen Webstühlen durch Einflechten der sehr verschieden gefärbten
Schussfäden mittelst Meiner Schützen in die Theile der Kette, an denen
sie figuriren sollen. Diese Arbeit ist ausserordentlich zeitraubend; es
arbeiten in der Regel mehrere Weber neben einander, oder der Shawl
wird in einzelnen Theilen gefertigt und durch Aneinandernähen zu
einem Ganzen vereinigt. Diese letztere Arbeit beschäftigt eine be
sondere Classe von Personen, die sogenannten „Rufuger“, welche darin
eine solche Fertigkeit erlangt haben, dass es fast unmöglich ist, die
einzelnen Nähte zu unterscheiden. Der Vorzug dieser orientalischen
Shawlfabrikation besteht in der ausserordentlichen Solidität und Fein
heit der Arbeit, in der Anwendung des feinsten von einheimischen Zie-